Warum haben Tragödien fünf Akte? Warum weint man im Theater — und fühlt sich danach besser? Und warum gibt es kurz vor dem Ende immer noch einmal Hoffnung? Dahinter steckt ein Bauplan, der seit 2400 Jahren funktioniert. Thespis, Iris und der Bock nehmen ihn auseinander — und am Ende baust du selbst damit.
Klicke die fünf Stationen der Kurve an — jede erzählt dir ihren Akt.
Vier Stück-Beschreibungen. Entscheide, gegen welche Einheit sie verstoßen.
Ab acht richtigen Antworten im ersten Versuch bist du dramenfest.
In der Klausur wartet genau das, was du in Level 6 begonnen hast: die Ikarus-Geschichte als Synopsis eines modernen Theaterstücks — eigener Titel, fünf Akte mit Akttiteln, und das retardierende Moment nicht vergessen. Die Pyramide aus Level 2 ist dein Gerüst.
| Begriff | Kurzdefinition |
|---|---|
| Aristoteles & die Wirkung | |
| Poetik | Schrift des Aristoteles (384–322 v. Chr.); Grundlage der klassischen Dramentheorie. |
| Mimesis | Nachahmung: Die Handlung wird gespielt, nicht erzählt — kein Erzähler nötig. |
| Eleos & Phobos | Jammern und Schaudern — die zwei Gefühle, die die Tragödie auslösen soll. |
| Katharsis | Reinigung: Das Mitleiden entlädt sich, das Publikum fühlt sich danach befreit. |
| Fallhöhe | Warum Könige und Götter: Je höher die Figur steht, desto tiefer kann sie fallen. |
| Die Pyramide (Freytag, 1863) | |
| 1. Akt — Exposition | Figuren, Ort, Zeit, Ausgangslage; der Konflikt keimt. |
| 2. Akt — Steigende Handlung | Der Konflikt verschärft sich; erregendes Moment treibt an. |
| 3. Akt — Höhepunkt / Peripetie | Größte Spannung und Umschwung; oft mit Erkenntnis (Anagnorisis). |
| 4. Akt — Fallende Handlung | Es geht abwärts — mit dem retardierenden Moment als letzter Hoffnung. |
| 5. Akt — Katastrophe / Lösung | Tragödie: Katastrophe. Komödie: glückliche Auflösung, oft Hochzeit. |
| Das retardierende Moment | |
| Definition | Szene nach dem Höhe- und Wendepunkt, die das Ende hinauszögert und kurz einen anderen Ausgang möglich erscheinen lässt (lat. retardare = verzögern). |
| In der Tragödie | Trügerische Hoffnung auf Rettung des Helden. |
| In der Komödie | Das greifbare Glück wird noch einmal aufgeschoben. |
| Position / Gegenstück | 4. Akt — als sichtbarer Knick nach oben in der fallenden Handlung; spiegelbildlich zum erregenden Moment am Anfang. |
| Die drei Einheiten | |
| Zeit | Handlung innerhalb eines Tages. |
| Ort | Ein Schauplatz, keine Ortswechsel. |
| Handlung | Eine Haupthandlung, keine Nebenhandlungen. |
| Achtung | Bei Aristoteles vor allem die Einheit der Handlung; die Einheit des Ortes erstmals 1570 bei Castelvetro belegt, durchgesetzt in der französischen Klassik. Shakespeare hält sich nicht daran — und funktioniert. |
| Weitere Begriffe | |
| Geschlossenes Drama | Folgt dem strengen Aufbau; klare Szenenfolge, definierter Anfang und Schluss. |
| Gehobene Sprache | Das klassische Drama ist in gehobener Sprache, oft in Versform verfasst. |
| Synopsis | Kurze Zusammenfassung der gesamten Handlung von Anfang bis Ende. |