Begriffe aus Theater und Film von A–Z. Suche einen Begriff oder ein Stichwort. Unter „Verbindungen“ erfährst du, wie Begriffe zusammenhängen und worin sie sich unterscheiden.
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A
Abstraktion
Reduktion konkreter Einzelheiten, um ausgewählte Strukturen oder Beziehungen hervorzuheben. Beispiel: Ein Streit wird durch Annäherung, Zurückweichen und Blockieren gestaltet, ohne seinen Wortlaut oder einen bestimmten Alltagsschauplatz zu zeigen.
Verbindungen
- Stilisierung – Abstraktion reduziert konkrete Einzelheiten; Stilisierung gestaltet nach einer erkennbaren Form. Beide Verfahren können zusammenwirken.
Adaption und Eigenproduktion
Adaption bearbeitet eine vorhandene Vorlage für einen neuen Zusammenhang. Eine Eigenproduktion entwickelt eine Aufführung aus eigener Arbeit; auch sie kann recherchiertes oder fremdes Material verwenden.
Verbindungen
- Textbuch / Skript – Ein Skript kann Vorlage einer Adaption sein oder während der Entwicklung einer Eigenproduktion entstehen.
AE/AF-Lock
Sperre der automatischen Belichtungs- und Fokuseinstellung. Bedienung und Dauer der Sperre hängen von Gerät, App und Modus ab. Eine bestimmte Langdruck-Geste ist kein allgemeiner Standard; ein WB-Lock ist eine andere Funktion. [K5]
AIDA-Modell
Modell der Werbewirkung: Attention bedeutet Aufmerksamkeit wecken, Interest Interesse aufrechterhalten, Desire einen Wunsch erzeugen und Action zu einer Handlung anregen. Es kann zum Vergleich von Aufmerksamkeitsstrategien dienen, ist aber weder eine allgemeine Dramaturgie noch ein Qualitätsmaßstab für Theater.
Verbindungen
- Hook (engl. "Haken") – Ein Hook kann Aufmerksamkeit wecken; das Werbemodell AIDA ist damit noch keine allgemeine Regel für Theaterdramaturgie.
Akt
Größerer Gliederungsabschnitt eines dramatischen Textes oder einer Aufführung. Anzahl und Einteilung unterscheiden sich; fünf Akte sind eine historische Möglichkeit.
Verbindungen
- Szene – Ein Akt ist ein größerer Gliederungsabschnitt, der mehrere Szenen enthalten kann; nicht jede Aufführung nutzt diese Einteilung.
Alles mit allem / AMA
Haus- beziehungsweise produktionsabhängige Bezeichnung für eine Probe, in der szenische und technische Elemente zusammengeführt werden. Ob dies erstmals geschieht und welche Elemente beteiligt sind, hängt vom Probenplan ab.
Verbindungen
- Hauptprobe – Beide Begriffe betreffen Proben, in denen mehrere zuvor getrennt erarbeitete Elemente zusammenkommen; die Verwendung wird am jeweiligen Theater vereinbart.
Amphitheater
Antiker, besonders mit der römischen Baukultur verbundener Bau mit einer rundum von Zuschauerplätzen umgebenen Arena, etwa für Gladiatorenkämpfe. Vom griechischen Theater mit seiner auf einen Spielbereich ausgerichteten Zuschaueranlage zu unterscheiden. Keine allgemeine Bezeichnung für ein antikes Schauspieltheater.
Anagnorisis / Wiedererkennung
Übergang vom Nichtwissen zum Wissen, etwa über Identität oder Beziehungen zwischen Figuren. Bei Aristoteles ein mögliches Element komplexer Handlungen; nicht zwingend die Einsicht einer Hauptfigur in eigene Fehler. [F2]
Verbindungen
- Peripetie – Ein Umschlag der Handlung und ein Erkenntnismoment können zusammen auftreten, bezeichnen aber verschiedene Vorgänge.
Anschluss / Continuity
Nachvollziehbare Beziehungen zwischen Aufnahmen, etwa bei Bewegung, Blick, Gegenständen, Licht oder Ton. Kontinuität kann bewusst gestaltet oder gezielt unterbrochen werden.
Antagonist
Der Gegenspieler, Widersacher oder Opponent des Protagonisten in einem Drama.
Verbindungen
- Protagonist / Protagonistin – Protagonistische und antagonistische Kräfte werden durch ihre Beziehung innerhalb der Handlung verständlich.
- Konflikt – Eine antagonistische Figur oder Kraft kann einen Konflikt tragen; Konflikte benötigen aber nicht immer eine einzelne Gegenfigur.
Aparté / Beiseitesprechen
Äußerung, die innerhalb der Spielvereinbarung von anderen Figuren nicht gehört wird, vom Publikum aber schon. Sie kann zum Publikum oder als Selbstäußerung gesprochen werden. Sie setzt nicht notwendig eine zuvor etablierte vierte Wand voraus.
Verbindungen
- Vierte Wand – Beim Beiseitesprechen kann das Publikum etwas erfahren, das andere Figuren vereinbarungsgemäß nicht hören.
Applaus
Beifall, meist durch Klatschen. Er kann am Ende, zwischen Teilen oder während einer Aufführung auftreten. Aus seiner Lautstärke lässt sich die künstlerische Qualität nicht eindeutig ablesen.
Arenabühne/Rundbühne
Eine Bühnenform, bei der die Spielfläche von Publikum auf allen oder den meisten Seiten umgeben ist.
Verbindungen
- Spielfläche und Zuschauerraum – Bei einer Arenaanordnung umgibt das Publikum die Spielfläche; Sichtbarkeit muss aus mehreren Richtungen bedacht werden.
A-Roll und B-Roll
Bezeichnungen für tragendes Hauptmaterial und ergänzendes Material, besonders bei Interviews und dokumentarischen Formaten. A-Roll muss kein Dialog sein; B-Roll ist nicht automatisch unwichtig.
Verbindungen
- Coverage – Ergänzendes Material kann die Montage unterstützen; A-/B-Roll und Coverage stammen aus unterschiedlichen Produktionszusammenhängen.
Artikulation
Bildung und Unterscheidbarkeit von Sprachlauten. Im Spiel kann sie variiert werden; Verständlichkeit ist abhängig von Raum, Publikum und gestalterischer Absicht.
Verbindungen
- Betonung und Lautstärke – Deutliche Lautbildung, Hervorhebung und Lautstärke sind verschiedene Möglichkeiten der Stimmgestaltung.
Atmo und Room Tone
Atmo bezeichnet die akustische Umgebung, etwa Straßenverkehr oder Vogelstimmen. Room Tone meint den Grundklang eines konkreten Raums in der jeweiligen Aufnahmesituation. Separat aufgenommene Umgebungsgeräusche können im Schnitt Übergänge verbinden.
Verbindungen
- Originalton / O-Ton – Bei einer Originalaufnahme kann Umgebungston mit aufgenommen werden; separat aufgenommenes Raum- oder Umgebungsgeräusch ergänzt das Material.
Aufgang und Abgang
Eintreten in beziehungsweise Verlassen des wahrnehmbaren Spielbereichs. Tempo, Weg und Zeitpunkt können die Szene prägen.
Verbindungen
- Falscher Abgang – Ein angekündigter oder begonnener Abgang kann zurückgenommen werden und dadurch eine Erwartung verändern.
Auflösung / Resolution
Klärung oder Abschluss eines zentralen Konflikts beziehungsweise einer Handlung. Ein bewusst offenes Ende verzichtet auf vollständige Auflösung. Auflösung und Ende sind daher nicht immer dasselbe.
Verbindungen
- Katastrophe – Die Katastrophe bezeichnet im entsprechenden Tragödienmodell den abschließenden Zusammenbruch; Auflösung ist ein allgemeinerer Begriff.
Auflösung und Bildformat
Auflösung bezeichnet die Pixelmaße, etwa 1920 × 1080. Das Seitenverhältnis, etwa 16:9 oder 9:16, bestimmt die Form des Bildes. Querformat ist eine Projektentscheidung, keine allgemeine Filmregel.
Verbindungen
- Framerate / fps – Bildrate beschreibt Bilder pro Sekunde; Auflösung und Seitenverhältnis beschreiben andere Eigenschaften der Aufnahme.
Ausrichtung
Orientierung des Körpers, Blicks oder einer Formation im Raum. Sie beeinflusst Sichtbarkeit, Beziehungen und Aufmerksamkeit.
Verbindungen
- Fokus – Körper- und Blickrichtungen können die Aufmerksamkeit auf einen Vorgang lenken.
B
Belichtung
Lichtmenge, die während der Aufnahme auf den Sensor wirkt. Licht, Blende und Belichtungszeit sind dafür wichtig. Die sichtbare Bildhelligkeit hängt zusätzlich von ISO und Signalverarbeitung ab. [K7]
Verbindungen
- ISO – ISO beeinflusst die Signalverarbeitung beziehungsweise Verstärkung; es verändert nicht selbst die einfallende Lichtmenge.
- Blende – Die Blendenöffnung beeinflusst die Lichtmenge, die durch das Objektiv gelangt.
- Belichtungszeit / Shutter – Die Belichtungszeit beeinflusst, wie lange Licht pro Einzelbild erfasst wird, und die Bewegungsunschärfe.
Belichtungszeit / Shutter
Dauer, während der ein einzelnes Bild belichtet wird. Längere Zeiten erzeugen bei Bewegung meist mehr Bewegungsunschärfe. Nicht mit der Zahl der Bilder pro Sekunde verwechseln. [K7]
Verbindungen
- Belichtung – Die Belichtungszeit beeinflusst, wie lange Licht pro Einzelbild erfasst wird, und die Bewegungsunschärfe.
- Flimmern – Die zeitliche Abstimmung von künstlichem Licht und Aufnahme kann sichtbare Helligkeitsschwankungen verursachen.
Betonung und Lautstärke
Betonung hebt Teile einer Äußerung hervor; Lautstärke bezeichnet ihre hörbare Stärke. Beides kann Bedeutung und Beziehungen verändern.
Verbindungen
- Artikulation – Deutliche Lautbildung, Hervorhebung und Lautstärke sind verschiedene Möglichkeiten der Stimmgestaltung.
Bewegungsqualität
Art, wie eine Bewegung ausgeführt wird, etwa fließend, stockend, federnd oder bestimmt. Geschwindigkeit ist nur eine ihrer Eigenschaften. Beispiel: Derselbe Griff nach einer Tasse wird einmal zögernd unterbrochen und einmal in einem durchgehenden Bogen ausgeführt.
Verbindungen
- Gewicht und Gewichtsverlagerung – Wie Gewicht getragen und verlagert wird, beeinflusst die Qualität einer Bewegung.
- Tempo – Eine langsame Bewegung kann fließend oder stockend sein; Bewegungsqualität ist mehr als Geschwindigkeit.
- Stilisierung – Eine durchgehend gewählte Bewegungsqualität kann zur formalen Regel einer stilisierten Darstellung werden.
Beziehung
Verhältnis zwischen Figuren oder Spielenden, das durch Handlungen, Sprache, Nähe, Abstand und gemeinsame Geschichte gestaltet wird. Eine Beziehung kann sich innerhalb einer Szene verändern. Beispiel: Eine Figur bittet zunächst um Hilfe und beginnt dann, Befehle zu geben.
Verbindungen
- Status sowie Hochstatus und Tiefstatus – Status beschreibt einen Aspekt von Beziehungen, etwa wer sich durchsetzt; eine Beziehung umfasst auch andere Aspekte wie Vertrauen oder Abhängigkeit.
- Proxemik – Annäherung, Abstand und Ausweichen können eine Beziehung zeigen oder verändern.
Biografisches Theater
Theaterarbeit mit Lebensgeschichten und Erfahrungen, eigenen oder denen anderer Menschen. Erinnerungen werden ausgewählt, gestaltet und gegebenenfalls mit erfundenem Material verbunden. Die spielende Person muss dabei nicht sich selbst darstellen. Beispiel: Erinnerungen verschiedener Menschen an einen ersten Schultag werden zu einer Szene montiert. Persönliche Erfahrungen einzubringen bleibt freiwillig. [E2]
Verbindungen
- Dokumentarisches Theater – Lebensgeschichten können dokumentarisches Material liefern; biografische Arbeit kann zugleich Erinnerungen und erfundene Anteile gestalten.
- Spielende Person und Figur – Eine eigene Erfahrung als Material zu verwenden bedeutet nicht, auf der Bühne die eigene Person unverändert abzubilden.
Black Box Theater
Ein flexibler, oft rechteckiger und schwarz gestrichener Theaterraum, der verschiedene Bühnen- und Zuschaueranordnungen ermöglicht.
Blende
Öffnung des Objektivs. Sie beeinflusst Lichtmenge und Schärfentiefe. Bei vielen Smartphone-Kameras ist die physische Blende nicht frei verstellbar. [K7]
Verbindungen
- Belichtung – Die Blendenöffnung beeinflusst die Lichtmenge, die durch das Objektiv gelangt.
Blickrichtung und Blickanschluss
Richtung, in die eine Figur schaut, und ihre Zuordnung über einen Schnitt hinweg. Die Verbindung kann Orientierung geben oder gezielt irritieren. Die Blickrichtung ist nicht einfach die Linie zwischen Kamera und lesender Person.
Blocking
Gestaltung der Positionen und Bewegungswege der Spielenden. Im Film wird sie mit Kameraposition und Bildausschnitt abgestimmt; im Theater auch mit dem gleichzeitig sichtbaren Bühnenraum.
Verbindungen
- Bühnenlinks / Bühnenrechts – Für das Festhalten von Positionen und Wegen braucht die Gruppe eindeutige Richtungsangaben mit vereinbartem Bezugspunkt.
- Framing / Bildausschnitt – Im Film werden Bewegungen und Positionen mit dem sichtbaren Bildausschnitt abgestimmt.
- Raumweg – Blocking organisiert unter anderem die Positionen und Raumwege der Spielenden.
Bounce
Aufhellung durch reflektiertes Licht, etwa von einer hellen Wand oder weißen Pappe. Die Fläche wird zur wirksamen Lichtquelle. [K2]
Verbindungen
- Fill / Aufhellung – Reflektiertes Licht von einer hellen Fläche ist eine Möglichkeit der Aufhellung.
Bruch
Markante Unterbrechung oder Veränderung eines etablierten Musters oder einer Erwartung. Nicht jeder Unterschied wird bereits als Bruch wahrgenommen.
Verbindungen
- Kontrast – Ein Kontrast setzt Unterschiede in Beziehung; ein Bruch unterbricht zusätzlich eine etablierte Ordnung oder Erwartung.
- Verfremdung und Verfremdungseffekt – Ein Bruch kann eine gewohnte Darstellung unterbrechen; ob dadurch gesellschaftliche Verhältnisse fragwürdig werden, hängt von der Gestaltung ab.
Bühnenbild
Künstlerische Gestaltung des Aufführungsraums. Es kann gegenständlich, abstrakt, beweglich oder auf wenige Elemente reduziert sein. Es bildet nicht nur einen Handlungsort ab, sondern kann eigenständig Bedeutung und Spielmöglichkeiten erzeugen.
Verbindungen
- Kostümbild – Raumgestaltung und Kleidung können gemeinsame Zeichen setzen oder in einen bewusst gestalteten Kontrast treten.
Bühnenlinks / Bühnenrechts
Richtungsangaben benötigen einen vereinbarten Bezugspunkt. In vielen deutschsprachigen technischen Bühnenplänen wird aus Zuschauersicht bezeichnet, englisches stage left/right bezieht sich auf die Spielenden mit Blick zum Publikum. Im Kurs und im Plan die Perspektive ausdrücklich angeben.
Verbindungen
- Blocking – Für das Festhalten von Positionen und Wegen braucht die Gruppe eindeutige Richtungsangaben mit vereinbartem Bezugspunkt.
C
Chor
Gruppe, die gemeinsam spricht, singt, sich bewegt oder handelt. Im antiken Drama hat der Chor unter anderem kommentierende und am Geschehen beteiligte Funktionen. Im heutigen Theater kann er als gemeinsamer Körper, als Vielstimmigkeit oder als Gegenüber einzelner Figuren gestaltet werden.
Verbindungen
- Chorisches Sprechen – Ein Chor kann gemeinsam sprechen, aber auch bewegen, singen oder andere gemeinsame Aktionen ausführen.
Choreografie
Gestaltung und Festlegung von Bewegungen und ihren räumlich-zeitlichen Beziehungen. Sie kann einzelne Körper, Gruppen oder das Zusammenspiel mit Material betreffen.
Verbindungen
- Formation – Eine Choreografie kann Wechsel zwischen räumlichen Formationen organisieren.
Chorisches Sprechen
Mehrere Spielende gestalten Sprache gemeinsam, beispielsweise gleichzeitig, versetzt, abwechselnd oder mehrstimmig. Es verlangt gemeinsames Hören, Impulse und Abstimmung; es muss nicht einheitlich oder gleich laut klingen.
Verbindungen
- Chor – Ein Chor kann gemeinsam sprechen, aber auch bewegen, singen oder andere gemeinsame Aktionen ausführen.
- Synchronität und Unisono – Chorisches Sprechen kann unisono organisiert sein oder zeitlich abgestimmte unterschiedliche Stimmen enthalten.
Cliffhanger
Ein offenes, spannendes Ende einer Szene, eines Kapitels oder einer Folge, das zum Weiterlesen oder Weiterschauen anregt und die Spannung aufrechterhält (typisch für Serien und Fortsetzungen).
Verbindungen
- Spannungsbogen – Ein offener Ausgang am Ende eines Abschnitts kann die Erwartung auf die Fortsetzung lenken.
Clipping und Headroom
Clipping ist Verzerrung durch Überschreiten einer Grenze der Aufnahmekette. Headroom ist die verbleibende Reserve. Auch Mikrofon oder Vorstufe können übersteuern; eine niedrige spätere Anzeige beweist keine unverzerrte Aufnahme. [K3]
Verbindungen
- Pegel und dBFS – Die Pegelanzeige hilft, Aussteuerung und Reserve einzuschätzen; Übersteuerung kann an verschiedenen Stellen der Aufnahmekette entstehen.
Collage
Zusammenstellung unterschiedlicher Materialien, deren Verschiedenheit erkennbar bleiben kann, etwa Interviewausschnitte, Bewegungsfolgen und Zeitungstexte. Beispiel: Drei widersprüchliche Aussagen über denselben Ort werden nebeneinandergestellt. Collage und Montage überschneiden sich als Arbeitsbegriffe.
Verbindungen
- Schnitt / Montage – Beide Begriffe betreffen das Zusammenstellen von Material; bei einer Collage kann dessen unterschiedliche Herkunft besonders hervortreten.
- Fragment – Fragmente können Bestandteile einer Collage sein und dabei unvollständig bleiben.
Coverage
Ergänzende Aufnahmen einer Szene, aus denen im Schnitt ausgewählt werden kann: etwa eine Übersicht, nähere Einstellungen, Gegenschüsse und Details. Welche Aufnahmen gebraucht werden, folgt dem Vorhaben.
Verbindungen
- Schnitt / Montage – Zusätzliche Ansichten liefern Auswahlmöglichkeiten für die spätere Montage einer Szene.
- A-Roll und B-Roll – Ergänzendes Material kann die Montage unterstützen; A-/B-Roll und Coverage stammen aus unterschiedlichen Produktionszusammenhängen.
CU / Close-up
Nahe Ansicht, bei einer Person häufig das Gesicht. Ein Ausschnitt nur von Mund, Auge oder Hand wird meist als Detail beziehungsweise Extreme Close-up beschrieben.
Verbindungen
- Einstellungsgröße – Das Close-up zeigt bei Personen häufig das Gesicht; die genaue Abgrenzung hängt von der verwendeten Begriffssystematik ab.
Cutaway
Zwischenschnitt auf etwas außerhalb der gerade gezeigten Hauptaktion, etwa ein zuhörendes Publikum. Insert und Cutaway können ähnliche Schnittaufgaben übernehmen, sind aber nicht bedeutungsgleich.
Verbindungen
- Insert – Ein Insert hebt ein Detail hervor; ein Cutaway wechselt von der Hauptaktion auf ein anderes Motiv. Ihre Schnittfunktionen können sich überschneiden.
D
Dankverbot als Brauch
Manche Spielende bedanken sich traditionell nicht für Glückwünsche vor einer Vorstellung. Daraus folgt keine tatsächliche Unglückswirkung und keine Pflicht für den Unterricht.
Verbindungen
- Toi toi toi – Das vermeintliche Dankverbot gehört zu den Bräuchen rund um den Glückwunsch und ist keine sachliche Theaterregel.
Dernière
Letzte Vorstellung einer bestimmten Inszenierung beziehungsweise Aufführungsserie.
Verbindungen
- Dernière-Streiche – Dernière-Streiche beziehen sich auf die letzte Vorstellung einer Produktion; sie sind kein verbindlicher Bestandteil einer Dernière.
Dernière-Streiche
In manchen Ensembles vorkommender Brauch. Nicht jede Produktion pflegt ihn; Absprachen und der verlässliche Aufführungsablauf bleiben maßgeblich.
Verbindungen
- Dernière – Dernière-Streiche beziehen sich auf die letzte Vorstellung einer Produktion; sie sind kein verbindlicher Bestandteil einer Dernière.
Detail / Extreme Close-up
Sehr enger Ausschnitt eines Motivs, etwa ein Auge oder ein Gegenstandsteil. Er kann eine Information isolieren; seine Bedeutung entsteht auch durch die umgebenden Einstellungen.
Deus ex machina
Wörtlich "Gott aus der Maschine". Ursprünglich eine plötzliche und unerwartete Lösung eines dramatischen Konflikts, oft durch eine Gottheit, die mithilfe einer Bühnenmaschine herabgelassen wurde. Heutzutage wird der Begriff oft negativ konnotiert verwendet, wenn dem Publikum eine plötzliche, unlogische oder "aus dem Nichts" kommende Lösung für ein scheinbar unlösbares Problem präsentiert wird, die die innere Logik der Geschichte untergräbt.
Dialog
Wechselnd geführte Rede und Gegenrede zwischen zwei oder mehreren Personen auf der Bühne.
Verbindungen
- Monolog – Monolog und Dialog unterscheiden sich in der Organisation des Sprechens; beide können Beziehungen und Konflikte gestalten.
- Subtext – Was Figuren sagen, kann von dem abweichen, was sie beabsichtigen oder in ihrer Beziehung aushandeln.
Diegetischer und nichtdiegetischer Ton
Diegetischer Ton gehört zur dargestellten Welt, etwa ein dort spielendes Radio. Nichtdiegetischer Ton wird außerhalb dieser Welt hinzugefügt, etwa Begleitmusik. Grenzfälle und Übergänge können gestalterisch genutzt werden.
Verbindungen
- Sounddesign – Tongestaltung kann mit Klängen innerhalb und außerhalb der dargestellten Welt arbeiten.
Diffusion, Schirm und Beauty Dish
Werkzeuge zur Lichtformung. Ihre Wirkung hängt von Größe, Abstand, Material und Aufbau ab. Ein Beauty Dish ist nicht automatisch hart; ein großer naher Schirm kann weichere Schatten ermöglichen. [K2]
Verbindungen
- Hartes und weiches Licht – Lichtformer beeinflussen die wirksame Lichtquelle; ihre scheinbare Größe am Motiv ist für die Schattenübergänge wesentlich.
Dokumentarisches Theater
Theaterarbeit mit Materialien, die auf tatsächliche Ereignisse oder Aussagen verweisen, etwa Interviews, Protokolle oder Briefe. Auswahl, Kürzung und Inszenierung gestalten deren Bedeutung mit; die Aufführung ist keine unvermittelte Wiedergabe der Wirklichkeit. Beispiel: Aussagen zu einer Schulschließung werden nebeneinandergestellt. Quellen und erfundene Ergänzungen werden unterscheidbar gemacht. [E2]
Verbindungen
- Biografisches Theater – Lebensgeschichten können dokumentarisches Material liefern; biografische Arbeit kann zugleich Erinnerungen und erfundene Anteile gestalten.
- Material – Dokumentarisches Material verweist auf reale Vorgänge; Auswahl und Bearbeitung bleiben künstlerische Entscheidungen.
Double Take
Häufig komische verzögerte zweite Reaktion auf eine Wahrnehmung. Eine Figur registriert etwas zunächst beiläufig und reagiert dann nochmals, weil dessen Bedeutung bei ihr ankommt. Die zweite Reaktion muss kein übertriebener Schock sein.
Verbindungen
- Timing – Beim Double Take prägt die zeitliche Verzögerung zwischen Wahrnehmen und erneuter Reaktion die Wirkung.
Drama
Literarische Gattung, in der Handlungen vor allem durch Figurenrede und szenische Vorgänge gestaltet werden. Tragödie und Komödie sind dramatische Formen. Ein Drama muss weder ernst sein noch aus fünf Akten bestehen. Theater kann auch ohne dramatische Textvorlage entstehen.
Verbindungen
- Inszenierung – Ein dramatischer Text ist eine mögliche Grundlage einer Inszenierung; seine szenische Gestaltung ist eine eigene künstlerische Arbeit.
- Postdramatisches Theater – Postdramatisches Theater beschreibt Formen, in denen der dramatische Text nicht zwingend das ordnende Zentrum bildet.
Dramatiker/in
Eine Person, die Theaterstücke schreibt.
Dramaturg/Dramaturgin
Eine Person, die beratend bei der Stückauswahl, Bearbeitung und Analyse von Dramen mitwirkt und eng mit der Regie zusammenarbeitet.
Dramaturgischer Rhythmus
Zeitliche Organisation des gesamten Stücks oder einer Performance: Dauer, Reihenfolge, Wiederkehr und Übergänge von Szenen oder Abschnitten. Eine Szene kann dabei als Ruhephase, Steigerung, Wiederholung oder Bruch wirken.
Verbindungen
- Rhythmus – Dramaturgischer Rhythmus bezeichnet die zeitlichen Beziehungen im gesamten Stück oder in der Performance.
- Pause – Im Gesamtzusammenhang kann eine ganze Szene die Funktion einer Pause übernehmen, obwohl innerhalb dieser Szene etwas geschieht.
- Szenischer Rhythmus – Eine Szene hat einen eigenen Rhythmus und ist zugleich ein zeitliches Element des gesamten Stücks.
Drei Einheiten
Historische Regeln beziehungsweise Ideale zur Einheit von Handlung, Zeit und Ort. Sie wurden besonders in späteren Auslegungen antiker Poetik systematisiert. Aristoteles formuliert keine gleichrangige verbindliche Dreierregel und kein Fünfaktschema. [F2]
Verbindungen
- Einheit der Zeit – Die Einheit der Zeit ist eine der drei historischen Einheitsvorstellungen.
- Einheit der Handlung – Die Einheit der Handlung betrifft den Zusammenhang der Ereignisse.
- Einheit des Ortes – Die Einheit des Ortes betrifft die Konzentration auf einen Schauplatz.
Drei-Punkt-Beleuchtung
Lernmodell mit Key, Fill und einem trennenden Gegenlicht. Hilfreich zum Verstehen verschiedener Funktionen, aber keine vorgeschriebene Grundlage jeder professionellen Aufnahme. [K2]
Durchbrechen der vierten Wand / Breaking the Fourth Wall
Eine zuvor etablierte Trennung zwischen Figurenwelt und Publikum wird sichtbar aufgehoben, etwa durch direkte Ansprache. Direkte Publikumsansprache ist nicht in jeder Theaterform ein Bruch, weil eine solche Trennung nicht überall besteht.
Verbindungen
- Vierte Wand – Eine direkte Publikumsansprache kann die zuvor etablierte Spielvereinbarung einer vierten Wand durchbrechen.
- Verfremdung und Verfremdungseffekt – Publikumsansprache kann eine Verfremdung unterstützen, ist aber nicht automatisch ein Verfremdungseffekt im Sinne Brechts.
E
Ebenen im Raum
Unterschiedliche Höhen des Spielens, etwa bodennah, sitzend, stehend oder auf einer erhöhten Spielfläche. Die Ebenen können Beziehungen und Bildaufbau verändern, haben aber keine festgelegte Bedeutung. Beispiel: Eine stehende Figur hört einer am Boden sitzenden Figur zu.
Verbindungen
- Formation – Eine Formation kann sich nicht nur in der Fläche, sondern auch durch unterschiedliche Spielhöhen gliedern.
Einheit der Handlung
Zusammenhang der Ereignisse zu einer in sich stimmigen Handlung. Das bedeutet nicht schlicht, dass jede Nebenhandlung verboten wäre.
Verbindungen
- Drei Einheiten – Die Einheit der Handlung betrifft den Zusammenhang der Ereignisse.
Einheit der Zeit
Ideal einer zeitlich begrenzten Handlung, in späteren Regelpoetiken häufig auf einen Tag bezogen. Eine historische Konvention, keine allgemeine Qualitätsregel.
Verbindungen
- Drei Einheiten – Die Einheit der Zeit ist eine der drei historischen Einheitsvorstellungen.
Einheit des Ortes
Ideal der Konzentration auf einen Schauplatz. Nicht als allgemeine Forderung des Aristoteles ausgeben.
Verbindungen
- Drei Einheiten – Die Einheit des Ortes betrifft die Konzentration auf einen Schauplatz.
Einlass / Vorstellungsklingel
Einlass bedeutet, dass das Publikum den Saal betreten darf. Klingelzeichen können den nahenden Beginn oder das Ende einer Pause ankündigen. Anzahl und zeitlicher Abstand sind hausabhängig.
Einstellung / Shot
Im fertigen Film eine durchgehende Bildfolge zwischen zwei Schnitten. Beim Dreh auch der geplante Bildausschnitt mit Kameraposition und Bewegung. Eine Szene kann aus einer oder vielen Einstellungen bestehen.
Verbindungen
- Take – Eine geplante Einstellung kann in mehreren Aufnahmeversuchen, den Takes, gedreht werden.
- Shotlist und Storyboard – Shotlist und Storyboard halten geplante Einstellungen schriftlich beziehungsweise zeichnerisch fest.
Einstellungsgröße
Größe des gezeigten Ausschnitts im Verhältnis zu einem Motiv. Bei Menschen reichen gebräuchliche Bezeichnungen von Totale über Halbnah und Nah bis Groß und Detail. Englische und deutsche Einteilungen stimmen nicht immer genau überein.
Verbindungen
- WS / Wide Shot – Der Wide Shot ist eine weite Einstellung, die häufig eine Person mit ihrer Umgebung zeigt.
- MCU / Medium Close-up – Das Medium Close-up zeigt bei Personen häufig Kopf und oberen Oberkörper.
- CU / Close-up – Das Close-up zeigt bei Personen häufig das Gesicht; die genaue Abgrenzung hängt von der verwendeten Begriffssystematik ab.
- Detail / Extreme Close-up – Die Detaileinstellung isoliert einen kleinen Teil des Motivs.
„Eiserner" (Eiserner Vorhang)
Eine bauliche Brandschutzeinrichtung im Theater; ein schwerer, feuerfester Vorhang, der im Notfall die Bühne vom Zuschauerraum trennt.
Emotion und Stimmung
Emotion bezeichnet ein Gefühl beziehungsweise eine Gefühlsreaktion; Stimmung eine eher anhaltende Färbung des Erlebens. Die dargestellte Emotion muss nicht mit dem tatsächlichen Gefühl der spielenden Person übereinstimmen.
Verbindungen
- Mimik – Mimik kann eine dargestellte Emotion vermitteln, lässt aber keinen sicheren Schluss auf das tatsächliche Gefühl der spielenden Person zu.
Ensemble
Gruppe gemeinsam arbeitender Spielender beziehungsweise künstlerisch Mitwirkender; je nach Kontext auch das feste Personal eines Hauses. Im Unterricht bezeichnet der Begriff besonders die Gruppe als gemeinsam wahrnehmende und gestaltende Einheit.
Verbindungen
- Impuls – Im Ensemble können Impulse weitergegeben, aufgenommen, verändert oder bewusst unbeantwortet gelassen werden.
Establishing Shot
Einstellung, die Ort, Situation oder räumlichen Zusammenhang etabliert. Sie muss weder die ganze Szene zeigen noch zwingend am Filmanfang stehen. Ein Master kann diese Funktion zugleich erfüllen. [K1]
Verbindungen
- Master Shot – Ein Master deckt einen Szenenablauf ab; ein Establishing Shot führt einen räumlichen oder situativen Zusammenhang ein. Eine Aufnahme kann beide Funktionen erfüllen.
Exposition
Die Einführung am Anfang einer Geschichte. Hier lernen wir die wichtigsten Figuren, den Ort, die Zeit und die Ausgangssituation kennen.
Verbindungen
- Exposition im Fünfaktmodell – Exposition bezeichnet die Einführung wichtiger Informationen; das Fünfaktmodell ordnet ihr eine bestimmte strukturelle Position zu.
Exposition im Fünfaktmodell
Einführung in Figuren, Ausgangssituation und Voraussetzungen der Handlung, häufig im ersten Akt. Exponierende Informationen können auch später vermittelt werden.
Verbindungen
- Exposition – Exposition bezeichnet die Einführung wichtiger Informationen; das Fünfaktmodell ordnet ihr eine bestimmte strukturelle Position zu.
F
Fallende Handlung
Im Freytag-Modell Entwicklung nach dem Höhepunkt in Richtung des Schlusses. Fallende Handlung bedeutet nicht automatisch, dass das Interesse oder die Spannung des Publikums abnimmt. [F1]
Verbindungen
- Steigende Handlung – Im Freytag-Modell bezeichnen Steigerung und Fall unterschiedliche Abschnitte um den Höhepunkt.
Falscher Abgang
Wenn eine Person auf der Bühne einen vermeintlichen Abgang macht, aber kurz vor dem Verlassen der Szene stehen bleibt, sich umdreht und noch etwas sagt oder tut.
Verbindungen
- Aufgang und Abgang – Ein angekündigter oder begonnener Abgang kann zurückgenommen werden und dadurch eine Erwartung verändern.
Feedback
Rückmeldung zu einer Arbeit. Im Theaterunterricht konkrete Beobachtung, persönliche Wahrnehmung der Wirkung und gegebenenfalls Vorschläge unterscheiden. Unterschiedliche Wahrnehmungen sind möglich. Die Spielenden entscheiden im Zusammenhang ihres Vorhabens, was sie weiterverfolgen.
Verbindungen
- Verdichten und Überarbeiten – Konkrete Rückmeldungen können helfen zu entscheiden, welche Teile beibehalten, verändert oder gestrichen werden.
- Präsentation und Werkstattaufführung – Eine Werkstattaufführung macht einen Zwischenstand sichtbar, zu dem Rückmeldungen eingeholt werden können.
- Rezension – Feedback dient häufig der Weiterarbeit; eine Rezension ordnet eine Aufführung für ihre Lesenden ein und bewertet sie.
Fill / Aufhellung
Verringert Helligkeitsunterschiede, beispielsweise durch eine Leuchte oder reflektiertes Licht. Wie viel Aufhellung passt, hängt von der gewünschten Gestaltung ab. [K2]
Verbindungen
- Key Light / Hauptlicht – Hauptlicht prägt die Beleuchtung; Aufhellung kann die dadurch entstehenden Helligkeitsunterschiede verringern.
- Bounce – Reflektiertes Licht von einer hellen Fläche ist eine Möglichkeit der Aufhellung.
- Negative Fill – Aufhellung fügt Licht hinzu; Negative Fill reduziert reflektiertes Umgebungslicht.
Flimmern
Helligkeitsschwankungen können bei künstlichem Licht und bestimmten Aufnahmeparametern sichtbar werden. Testaufnahme unter den tatsächlichen Leuchten machen; Dimmer, Framerate und Belichtungszeit können das Ergebnis beeinflussen.
Verbindungen
- Belichtungszeit / Shutter – Die zeitliche Abstimmung von künstlichem Licht und Aufnahme kann sichtbare Helligkeitsschwankungen verursachen.
Fokus
Bündelung von Aufmerksamkeit, etwa durch Blick, Bewegung, Licht, Klang oder Stillstand. Beabsichtigter Fokus und tatsächliche Publikumsaufmerksamkeit können auseinanderfallen.
Verbindungen
- Ausrichtung – Körper- und Blickrichtungen können die Aufmerksamkeit auf einen Vorgang lenken.
Foley
Nachträglich zur Bildhandlung gestaltete und aufgenommene Geräusche, etwa Schritte oder Stoffbewegungen. Eine lose Geräuschaufnahme ist zunächst Material; erst ihre Verwendung kann daraus synchrones Foley machen.
Verbindungen
- Synchronisation und Drift – Nachträglich erzeugte Geräusche werden zeitlich zur Bildhandlung angeordnet; dabei ist ein passender zeitlicher Bezug wichtig.
Formation
Räumliche Anordnung einer Gruppe, etwa Reihe, Kreis oder verstreute Positionen. Ihre Veränderung kann Beziehungen und Abläufe gestalten.
Verbindungen
- Choreografie – Eine Choreografie kann Wechsel zwischen räumlichen Formationen organisieren.
- Ebenen im Raum – Eine Formation kann sich nicht nur in der Fläche, sondern auch durch unterschiedliche Spielhöhen gliedern.
Fragment
Bruchstück oder bewusst unvollständig bleibender Ausschnitt. Es kann als eigenständiges Material verwendet werden, ohne zu einer geschlossenen Handlung ergänzt zu werden. Beispiel: Von einer Begegnung sind nur ein Satz und eine Bewegung zu sehen.
Verbindungen
- Collage – Fragmente können Bestandteile einer Collage sein und dabei unvollständig bleiben.
Frame-in-Frame
Ein sichtbares Element innerhalb des Bildes rahmt das Motiv, etwa eine Türöffnung. Es kann den Blick lenken, Tiefe erzeugen oder eine Beziehung zum Raum zeigen.
Framerate / fps
Anzahl der aufgenommenen oder wiedergegebenen Bilder pro Sekunde. Aufnahme- und Wiedergaberate sind getrennte Größen. 25 fps kann eine Projektvereinbarung sein; 1080p bezeichnet dagegen die Bildauflösung, nicht die Framerate.
Verbindungen
- Zeitlupe / Slow Motion – Bei der Wiedergabe aller aufgenommenen Bilder mit geringerer Bildrate wird der Vorgang zeitlich gedehnt.
- Auflösung und Bildformat – Bildrate beschreibt Bilder pro Sekunde; Auflösung und Seitenverhältnis beschreiben andere Eigenschaften der Aufnahme.
Framing / Bildausschnitt
Auswahl und Anordnung dessen, was im Bild sichtbar ist. Auch das Ausgeschlossene kann Bedeutung erzeugen. Framing kann während einer Einstellung verändert werden.
Verbindungen
- Blocking – Im Film werden Bewegungen und Positionen mit dem sichtbaren Bildausschnitt abgestimmt.
- Headroom und Blickraum – Raum über dem Kopf und in Blickrichtung sind Entscheidungen innerhalb der Bildgestaltung.
- Frame-in-Frame – Ein zusätzlicher Rahmen innerhalb des Bildes kann den Blick auf ein Motiv lenken.
Freeze
Bewusstes Einfrieren einer Bewegung beziehungsweise Körperposition im Spiel. Andere Elemente können währenddessen weiterlaufen. Wie lange und in welchem Zusammenhang der Freeze steht, beeinflusst seine Wirkung.
Verbindungen
- Pause – Ein Freeze hält eine Bewegung an. Eine Pause kann auch andere Ebenen betreffen, etwa Sprache oder einen Szenenwechsel.
- Standbild – Ein Freeze entsteht durch das Anhalten eines Ablaufs; ein Standbild kann auch von Anfang an als unbewegte Anordnung gestaltet werden.
Frontal und Dreiviertelansicht
Blick direkt auf die Vorderseite beziehungsweise schräg von vorn auf ein Motiv. Eine seitliche Ansicht ist ein Profil. Ansicht und Höhe der Kamera sind unterschiedliche Entscheidungen.
Fünfteiliger Aufbau nach Gustav Freytag
Historisches Modell mit Einleitung, Steigerung, Höhepunkt, Fall beziehungsweise Umkehr und Katastrophe. Die verbreitete schulische Darstellung ordnet diese Teile fünf Akten zu. Das Modell ist kein allgemeines Gesetz für Theater oder Geschichten und stammt nicht von Aristoteles. [F1] Der Höhepunkt ist der zentrale Übergang zwischen Steigerung und Fall. Er muss nicht zugleich Peripetie und Anagnorisis enthalten; diese Begriffe dürfen nicht zu einem Pflichtpaket verbunden werden. [F1, F2]
Verbindungen
- Höhepunkt / Climax – Freytags Modell verortet den Höhepunkt zwischen Steigerung und Fall; andere Modelle können ihn anders anordnen.
G
Gegenlicht / Back Light und Kante / Rim
Licht aus Richtung hinter dem Motiv. Es kann eine Kontur zeichnen oder als Gegenlicht die ganze Bildgestaltung bestimmen. Es ist nicht grundsätzlich zu vermeiden. [K2]
Verbindungen
- Drei-Punkt-Beleuchtung – Trennendes Gegenlicht übernimmt im Drei-Punkt-Modell eine andere Funktion als Hauptlicht und Aufhellung.
Generalprobe
Eine der letzten Proben vor der Premiere, bei der das Stück vollständig und unter realen Bedingungen (mit Kostümen, Bühnenbild, Licht, Ton) wie eine tatsächliche Aufführung durchgeführt wird, um den gesamten Ablauf zu testen.
Verbindungen
- Premiere – Die Generalprobe erprobt die Aufführung vor der Premiere unter möglichst vollständigen Bedingungen.
Gestaltungsmittel
Konkrete Möglichkeiten des Gestaltens, etwa Körperhaltung, Stimme, Licht, Freeze oder Wiederholung. Ein Mittel hat keine für jede Szene festgelegte Wirkung.
Verbindungen
- Intention und Wirkung – Der Einsatz eines Mittels garantiert keine bestimmte Wirkung; entscheidend ist sein Zusammenspiel mit dem übrigen Material.
Gestik
Bewegungen insbesondere von Händen, Armen und Kopf, die Ausdruck und Bedeutung tragen können. Eine Geste hat nicht in jeder Situation dieselbe Bedeutung.
Verbindungen
- Körperhaltung – Haltung und Gesten wirken zusammen; dieselbe Handbewegung kann bei veränderter Haltung anders erscheinen.
- Überzeichnung – Eine Geste lässt sich etwa in Ausdehnung, Dauer oder Häufigkeit überzeichnen.
Gewicht und Gewichtsverlagerung
Im Bewegungsspiel geht es um das Tragen, Verlagern und Gestalten des Körpergewichts, nicht um die Bewertung einer Körperform. Beispiel: Das Gewicht wandert vor einem Schritt langsam auf ein Bein. Ein Gang kann schwer wirken, ohne dass die spielende Person schwer sein muss.
Verbindungen
- Bewegungsqualität – Wie Gewicht getragen und verlagert wird, beeinflusst die Qualität einer Bewegung.
Golden Hour
Zeit nahe Sonnenauf- oder Sonnenuntergang mit tief stehender Sonne und oft warmer Lichtwirkung. Sie ist nicht für jede Szene am besten; direktes Sonnenlicht kann weiterhin deutliche Schatten werfen.
Verbindungen
- Weißabgleich / WB – Warm wirkendes Licht bei tief stehender Sonne und der eingestellte Weißabgleich beeinflussen gemeinsam die Farbwiedergabe.
Griechisches Theater der Antike
Eine zentrale historische Grundlage der europäischen Theatertraditionen. Daraus folgt nicht, dass sämtliche Theater- und Aufführungsformen der Welt in Griechenland entstanden sind.
Verbindungen
- Thespiskarren – Die Thespis-Erzählungen gehören zur Überlieferung über die Anfänge des griechischen Theaters und sind nicht mit gesicherten Einzelereignissen gleichzusetzen.
H
Handlung
Etwas tun, das eine Situation, eine Beziehung oder einen Ablauf gestaltet oder verändert. Im Figurenspiel kann Handeln auf ein Ziel gerichtet sein; performative Handlungen können auch ohne erfundene Figur stattfinden. Beispiel: Jemand versperrt einen Weg. Auch ein bewusstes Nichtantworten kann eine Handlung sein.
Verbindungen
- Situation – Die Umstände einer Situation eröffnen und begrenzen Handlungsmöglichkeiten; Handlungen können diese Umstände verändern.
- Spielabsicht – Eine Spielabsicht kann durch unterschiedliche konkrete Handlungen verfolgt werden, etwa durch Bitten, Verhandeln oder Blockieren.
Handlungsachse und 180-Grad-Regel
Eine für den Zusammenhang angenommene Linie, etwa zwischen zwei Figuren oder entlang einer Bewegung. Bleiben aufeinanderfolgende Kamerapositionen auf derselben Seite, lassen sich Raum- und Blickrichtungen häufig leichter zuordnen. Ein Seitenwechsel ist möglich, sollte aber bewusst gestaltet werden. [K6]
Hartes und weiches Licht
Beschreibt insbesondere die Übergänge zwischen Licht und Schatten. Eine relativ zum Motiv groß erscheinende Lichtquelle erzeugt weichere Schatten. Härte und Helligkeitskontrast sind unterschiedliche Eigenschaften. [K2]
Verbindungen
- Lichtdesign – Die Schattenübergänge sind eine gestalterische Eigenschaft, mit der Lichtdesign arbeiten kann.
- Lichtkontrast – Weiche Schattenkanten bedeuten nicht automatisch geringe Helligkeitsunterschiede.
- Diffusion, Schirm und Beauty Dish – Lichtformer beeinflussen die wirksame Lichtquelle; ihre scheinbare Größe am Motiv ist für die Schattenübergänge wesentlich.
Hauptprobe
Fortgeschrittene Probe unter weitgehend vollständigen Aufführungsbedingungen. Zahl, Bezeichnung und erlaubte Unterbrechungen richten sich nach der Produktion.
Verbindungen
- Alles mit allem / AMA – Beide Begriffe betreffen Proben, in denen mehrere zuvor getrennt erarbeitete Elemente zusammenkommen; die Verwendung wird am jeweiligen Theater vereinbart.
Headroom und Blickraum
Abstand über dem Kopf beziehungsweise freier Bildraum in Blickrichtung. Sie können Orientierung unterstützen oder bewusst knapp gehalten werden. Keine allgemeine Pflicht zu einer bestimmten Aufteilung.
Höhepunkt / Climax
Besonders zugespitzter Moment einer Handlung. Im Freytag-Modell vermittelt der zentrale Höhepunkt zwischen Steigerung und Fall. In anderen Erzählmodellen kann der Begriff den entscheidenden Spannungsmoment gegen Ende bezeichnen. Deshalb immer angeben, welches Modell gemeint ist. [F1] Der entscheidende Höhepunkt kann spät liegen oder sich über eine Folge von Szenen entwickeln. Bei Analysen das verwendete Modell benennen, statt ein einheitliches heutiges Modell vorauszusetzen.
Hook (engl. "Haken")
Das erste Element einer Geschichte, das sofort unsere Aufmerksamkeit weckt und uns "dranbleiben" lässt. Das kann ein spannendes Bild, eine provokante Frage, eine überraschende Aktion, eine besondere Atmosphäre oder ein faszinierender Satz sein.
Verbindungen
- AIDA-Modell – Ein Hook kann Aufmerksamkeit wecken; das Werbemodell AIDA ist damit noch keine allgemeine Regel für Theaterdramaturgie.
I
Illustrierender Einsatz (1:1)
Im Unterricht mögliche Bezeichnung für ein Mittel, das eine bereits vorhandene Aussage oder Stimmung unmittelbar bestätigt. Das ist kein überall einheitlich verwendeter Fachausdruck. Ob ein solcher Einsatz sinnvoll ist, hängt vom Konzept und seiner Wirkung ab.
Improvisation
Spiel, bei dem der genaue Ablauf im Moment entsteht. Thema, Regeln, Raum, Figuren oder Material können vorgegeben sein. Improvisation kann Aufführungsform oder Methode sein, um Material zu finden, zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Verbindungen
- Szenenentwicklung – Improvisation kann Material hervorbringen, das anschließend ausgewählt, verändert und festgelegt wird.
Impuls
Anstoß für eine Handlung oder Veränderung, etwa ein Blick, eine Bewegung, ein Klang oder eine Wahrnehmung. Impulse können aufgenommen, weitergeführt, verändert oder bewusst nicht beantwortet werden.
Verbindungen
- Timing – Wann ein Impuls aufgenommen oder beantwortet wird, prägt das Zusammenspiel und seine Wirkung.
- Ensemble – Im Ensemble können Impulse weitergegeben, aufgenommen, verändert oder bewusst unbeantwortet gelassen werden.
Indisponiert
Vorübergehend nicht oder nur eingeschränkt leistungs- beziehungsweise aufführungsfähig, etwa wegen einer Erkrankung. Ein gebräuchlicher Ausdruck, kein Beleg dafür, dass Spielende niemals krank seien.
Ingest und Dateibenennung
Übernehmen, Prüfen, Ordnen und Sichern des aufgenommenen Materials. Eindeutige Dateinamen können Motiv, Einstellung und Take angeben. Das Ändern einer Dateiendung wandelt das Dateiformat nicht um.
Verbindungen
- Take – Eindeutige Bezeichnungen helfen, die verschiedenen Aufnahmeversuche beim Sichten und Schneiden wiederzufinden.
Insert
Eingefügte nähere Ansicht eines für den Zusammenhang wichtigen Details, etwa einer Textzeile, Hand oder Uhr.
Verbindungen
- Cutaway – Ein Insert hebt ein Detail hervor; ein Cutaway wechselt von der Hauptaktion auf ein anderes Motiv. Ihre Schnittfunktionen können sich überschneiden.
Inszenierung
Künstlerische Gestaltung einer konkreten Aufführung beziehungsweise Produktion. Sie kann von einer Textvorlage, einer gemeinsamen Materialsuche oder einem anderen Ausgangspunkt ausgehen. Dasselbe Werk kann unterschiedlich inszeniert werden.
Verbindungen
- Konzept – Ein Konzept kann Entscheidungen einer Inszenierung verbinden und sich während der Proben weiterentwickeln.
- Drama – Ein dramatischer Text ist eine mögliche Grundlage einer Inszenierung; seine szenische Gestaltung ist eine eigene künstlerische Arbeit.
Intendant/Intendantin
Die künstlerische und oft auch kaufmännische Leitung eines Theaters.
Intention und Wirkung
Intention bezeichnet eine Absicht; Wirkung das, was bei Zuschauenden oder Mitspielenden wahrgenommen und ausgelöst wird. Beides kann voneinander abweichen. Auch unbeabsichtigte Wirkungen können künstlerisch interessant sein.
Verbindungen
- Reflexion – In der Reflexion werden beabsichtigte und tatsächlich wahrgenommene Wirkungen verglichen; auch unbeabsichtigte Ergebnisse sind aufschlussreich.
- Gestaltungsmittel – Der Einsatz eines Mittels garantiert keine bestimmte Wirkung; entscheidend ist sein Zusammenspiel mit dem übrigen Material.
- Spielabsicht – Die Absicht einer Figur ist von der gestalterischen Absicht der Spielenden und der Wirkung auf das Publikum zu unterscheiden.
Interesse
Aufmerksamkeit und Beteiligung an etwas, das bedeutsam, überraschend, rätselhaft oder sinnlich ansprechend erscheint. Die Wortherkunft aus lateinisch inter esse kann eine Merkhilfe sein, erklärt aber nicht allein, wie Interesse entsteht.
Intuition
Unmittelbares Gespür oder eine beim Spielen entstehende Idee, bevor sie ausführlich begründet wird. Intuitive Entscheidungen können anschließend beobachtet, erprobt und bewusst beibehalten oder verändert werden.
Verbindungen
- Konzept – Gestalterische Entscheidungen können intuitiv entstehen oder einem Konzept folgen; beim Weiterarbeiten können beide einander verändern.
ISO
Einstellung der Empfindlichkeitskalibrierung beziehungsweise Signalverstärkung der digitalen Kamera. Höhere ISO bedeutet nicht, dass mehr Licht auf den Sensor fällt. Rauschen hängt unter anderem von Lichtmenge, Sensor und Verarbeitung ab. [K7]
Verbindungen
- Belichtung – ISO beeinflusst die Signalverarbeitung beziehungsweise Verstärkung; es verändert nicht selbst die einfallende Lichtmenge.
K
Kamerafahrt / Dolly
Bewegung der Kamera durch den Raum. Ein Push-in nähert sich dem Motiv; eine seitliche Fahrt verändert die seitliche Position. Die räumlichen Beziehungen im Bild können sich dabei verändern.
Verbindungen
- Schwenk / Pan und Neigen / Tilt – Beim Schwenken oder Neigen dreht sich die Kamera; bei einer Fahrt verändert sie ihren Standort.
- Zoom – Eine Fahrt verändert den Kamerastandort und damit räumliche Beziehungen; ein Zoom verändert den Bildwinkel bei gleichbleibendem Standort.
Kanon
Zeitlich versetzter Beginn derselben festgelegten Folge durch mehrere Personen oder Gruppen. Die Abläufe überlagern sich. Beispiel: Eine Dreierfolge aus Schritt, Drehung und Pause beginnt bei jeder Person zwei Zählzeiten später.
Verbindungen
- Synchronität und Unisono – Ein Kanon ordnet Einsätze zeitlich aufeinander ab, lässt dieselbe Folge aber versetzt statt gleichzeitig beginnen.
- Rhythmus – Versetzte Einsätze derselben Folge erzeugen Überlagerungen und rhythmische Beziehungen.
Katastrophe
Schluss der tragischen Handlung im Freytag-Modell, häufig verbunden mit Untergang oder entscheidendem Verlust. Die Gleichsetzung mit jedem fünften Akt ist zu grob. Andere dramatische Formen haben andere Schlussgestaltungen. [F1]
Verbindungen
- Auflösung / Resolution – Die Katastrophe bezeichnet im entsprechenden Tragödienmodell den abschließenden Zusammenbruch; Auflösung ist ein allgemeinerer Begriff.
Katharsis
Begriff aus Aristoteles’ Tragödiendefinition, gewöhnlich mit Reinigung übersetzt. Was diese Reinigung genau bedeutet, ist umstritten. Eine verbreitete Deutung bezieht sie auf die Wirkung von Furcht und Mitleid beim Publikum. [F2] Emotionale Entlastung ist eine mögliche Lesart, keine unstrittige Definition und keine garantierte Wirkung einer Aufführung. Sich nach einem bewegenden Film erleichtert zu fühlen, kann eine Deutung veranschaulichen. Das Beispiel beweist weder Aristoteles’ Absicht noch eine therapeutische Wirkung.
Verbindungen
- Tragödie – Aristoteles verwendet Katharsis in seiner Tragödiendefinition; die genaue Bedeutung und Wirkungsweise bleiben umstritten.
Key Light / Hauptlicht
Prägende Beleuchtung des Motivs. Das Key muss nicht die hellste Lichtquelle im gesamten Bild sein. Richtung, Größe, Abstand und Intensität beeinflussen die Modellierung. [K2]
Verbindungen
- Fill / Aufhellung – Hauptlicht prägt die Beleuchtung; Aufhellung kann die dadurch entstehenden Helligkeitsunterschiede verringern.
Klappe / Slate
Kennzeichnung einer Aufnahme und ein sicht- und hörbarer Bezugspunkt für die Synchronisation. Ein Handklatschen kann den Synchronisationspunkt liefern; Szenen- und Takenummer zusätzlich ansagen beziehungsweise dokumentieren.
Verbindungen
- Synchronisation und Drift – Ein gemeinsames Bild- und Tonsignal hilft beim anfänglichen Synchronisieren, verhindert aber keine spätere zeitliche Drift.
Komödie
Dramatische oder theatrale Form, die komische Situationen, Widersprüche und Konflikte gestaltet. Sie kann gesellschaftskritisch, bitter oder grotesk sein. Ein glücklicher Ausgang ist eine verbreitete Konvention, aber kein allgemeines Muss.
Konflikt
Zusammenstoß unterschiedlicher Ziele, Interessen, Kräfte oder innerer Bestrebungen. Konflikte können Handlung und Spannung erzeugen. Aufmerksamkeit und Spannung können aber auch durch Rhythmus, Wiederholung, Atmosphäre, Wahrnehmungsunsicherheit oder formale Veränderungen entstehen.
Verbindungen
- Antagonist – Eine antagonistische Figur oder Kraft kann einen Konflikt tragen; Konflikte benötigen aber nicht immer eine einzelne Gegenfigur.
Kontrast
Wahrnehmbarer Unterschied zwischen Elementen oder Abläufen, etwa schnell und langsam, dicht und vereinzelt. Ein Unterschied kann geplant oder unbeabsichtigt entstehen. Seine Funktion ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang.
Verbindungen
- Rhythmus – Wechsel zwischen unterschiedlichen Tempi, Dauern oder Bewegungsqualitäten können rhythmische Kontraste erzeugen.
- Bruch – Ein Kontrast setzt Unterschiede in Beziehung; ein Bruch unterbricht zusätzlich eine etablierte Ordnung oder Erwartung.
Konzept
Zusammenhängende künstlerische Überlegungen zu Thema, Form, Arbeitsweise und Verhältnis zum Publikum. Ein Konzept kann den Proben vorausgehen oder sich aus dem Material und der gemeinsamen Arbeit entwickeln.
Verbindungen
- Intuition – Gestalterische Entscheidungen können intuitiv entstehen oder einem Konzept folgen; beim Weiterarbeiten können beide einander verändern.
- Inszenierung – Ein Konzept kann Entscheidungen einer Inszenierung verbinden und sich während der Proben weiterentwickeln.
Körperhaltung
Art, wie der Körper ausgerichtet und organisiert ist. Sie kann bewusst gestaltet oder beim Spielen gefunden werden. Ihre Wirkung entsteht im Zusammenhang mit Bewegung, Raum und Situation.
Verbindungen
- Gestik – Haltung und Gesten wirken zusammen; dieselbe Handbewegung kann bei veränderter Haltung anders erscheinen.
- Neutrale Haltung und neutraler Gang – Eine vereinbarte neutrale Ausgangshaltung kann helfen, Veränderungen der Haltung genauer wahrzunehmen.
Körperliche Spannung
Maß und Verteilung der muskulären Aktivierung im Spiel. Sie kann zwischen Körperteilen unterschiedlich sein und sich im Verlauf verändern. Beispiel: Eine Hand hält einen Brief fest, während Schultern und Gesicht gelöst bleiben. Viel Spannung ist nicht automatisch viel Präsenz.
Verbindungen
- Präsenz – Differenziert gestaltete Spannung kann Präsenz unterstützen; möglichst viel Muskelspannung ist kein allgemeines Ziel.
Kostümbild
Gestaltung der Kleidung und Erscheinung der Spielenden. Kostüme können Figuren, soziale Beziehungen und historische Bezüge zeigen, aber auch widersprechen, verfremden oder als eigenständiges Material eingesetzt werden.
Verbindungen
- Bühnenbild – Raumgestaltung und Kleidung können gemeinsame Zeichen setzen oder in einen bewusst gestalteten Kontrast treten.
M
Master Shot
Aufnahme, die eine Szene in ihrem wesentlichen Ablauf und mit ihren räumlichen Beziehungen abdeckt. Sie kann als Grundlage für den Schnitt dienen. Nicht mit jeder kurzen Ortsübersicht gleichsetzen. [K1]
Verbindungen
- Establishing Shot – Ein Master deckt einen Szenenablauf ab; ein Establishing Shot führt einen räumlichen oder situativen Zusammenhang ein. Eine Aufnahme kann beide Funktionen erfüllen.
Material
Ausgangspunkt oder Bestandteil der Arbeit: Text, Gegenstand, Bewegung, Klang, Bild, Erinnerung, Beobachtung oder gefundene Szene. Material kann eigene Gestaltungsideen auslösen.
Verbindungen
- Szenenentwicklung – Texte, Bewegungen, Gegenstände oder Beobachtungen können Ausgangsmaterial für die Entwicklung einer Szene sein.
- Dokumentarisches Theater – Dokumentarisches Material verweist auf reale Vorgänge; Auswahl und Bearbeitung bleiben künstlerische Entscheidungen.
MCU / Medium Close-up
Häufig ungefähr ein Brustbild: Kopf und oberer Oberkörper. Die genaue Schnittkante ist eine gestalterische Entscheidung, kein festes Körpermaß.
Verbindungen
- Einstellungsgröße – Das Medium Close-up zeigt bei Personen häufig Kopf und oberen Oberkörper.
Mikrofonabstand
Abstand und Ausrichtung des Mikrofons beeinflussen das Verhältnis der gewünschten Schallquelle zu Umgebungsgeräuschen und Raumhall. Ein geeigneter Abstand hängt von Mikrofon, Schallquelle und Aufnahmesituation ab. [K4]
Verbindungen
- Monitoring – Abstand und Ausrichtung werden durch Abhören und Pegelkontrolle beurteilt, nicht allein durch die räumliche Entfernung.
Mimesis
Bei Aristoteles künstlerische Nachahmung beziehungsweise Darstellung, insbesondere von Handlungen. Gemeint ist keine bloße Kopie der Wirklichkeit und nicht zwingend eine realistische Illusion. Unterschiedliche Künste gestalten mit unterschiedlichen Mitteln. [F2]
Mimik
Bewegungen und Ausdruck des Gesichts. Zuschauende deuten sie im Zusammenhang mit Körper, Stimme und Situation.
Verbindungen
- Emotion und Stimmung – Mimik kann eine dargestellte Emotion vermitteln, lässt aber keinen sicheren Schluss auf das tatsächliche Gefühl der spielenden Person zu.
Missglückte Generalprobe
Der Spruch, eine schlechte Generalprobe bringe eine gute Premiere, ist ein Theateraberglaube beziehungsweise eine Ermutigung. Er ist keine künstlerische Regel. Aufgetretene Probleme werden trotzdem bearbeitet.
Monitoring
Kontrolle des aufgenommenen Tons mit Kopfhörern während einer Aufnahme, sofern möglich, oder direkt danach. Pegelanzeigen allein zeigen nicht, ob Wörter verständlich sind oder Kleidung raschelt.
Verbindungen
- Mikrofonabstand – Abstand und Ausrichtung werden durch Abhören und Pegelkontrolle beurteilt, nicht allein durch die räumliche Entfernung.
Monolog
Zusammenhängende Rede einer Figur oder Person ohne unmittelbaren Wechsel von Rede und Gegenrede. Andere können dabei anwesend sein. Ein Monolog muss weder lang noch ein Selbstgespräch sein.
Verbindungen
- Dialog – Monolog und Dialog unterscheiden sich in der Organisation des Sprechens; beide können Beziehungen und Konflikte gestalten.
Motiviertes Licht
Beleuchtung, deren Richtung oder Charakter aus der dargestellten Situation plausibel erscheint, etwa von einem Fenster außerhalb des Bildes. Der Anlass muss nicht sichtbar sein.
Verbindungen
- Practical / sichtbare Leuchte – Eine sichtbare Leuchte kann eine Beleuchtung motivieren; die tatsächliche Ausleuchtung kann von weiteren Quellen stammen.
P
Pause
Unterbrechung eines bestimmten Ablaufs. In einer Sprechpause können Bewegung oder Klang weitergehen. Eine ganze Szene kann im Gesamtzusammenhang als Ruhephase wirken, obwohl in ihr gehandelt wird.
Verbindungen
- Rhythmus – Pausen gliedern einen Ablauf und sind selbst Teil seines Rhythmus.
- Dramaturgischer Rhythmus – Im Gesamtzusammenhang kann eine ganze Szene die Funktion einer Pause übernehmen, obwohl innerhalb dieser Szene etwas geschieht.
- Freeze – Ein Freeze hält eine Bewegung an. Eine Pause kann auch andere Ebenen betreffen, etwa Sprache oder einen Szenenwechsel.
Pegel und dBFS
Pegel ist ein gemessener Signalwert und nicht dasselbe wie empfundene Lautheit. Bei üblichen digitalen Aufnahmeanzeigen markiert 0 dBFS die Vollaussteuerung. Etwa −12 dBFS für Sprachspitzen kann beim Einpegeln Reserve lassen; es ist keine Clipping-Grenze. [K3]
Verbindungen
- Clipping und Headroom – Die Pegelanzeige hilft, Aussteuerung und Reserve einzuschätzen; Übersteuerung kann an verschiedenen Stellen der Aufnahmekette entstehen.
Performance
Je nach Zusammenhang eine Aufführung allgemein oder eine künstlerische Arbeits- und Aufführungsform, in der Handlungen, Körper, Material, Raum und die Begegnung mit Publikum hervortreten. Eine erfundene Figur oder durchgehende Geschichte ist dafür nicht erforderlich. Der Begriff wird unterschiedlich verwendet.
Verbindungen
- Performativer Vorgang – Bei performativen Vorgängen kann die tatsächlich vollzogene Handlung selbst im Mittelpunkt stehen.
Performativer Vorgang
Eine tatsächlich ausgeführte Handlung wird als Ereignis wahrnehmbar, etwa gemeinsames Stapeln, Tragen oder Warten. Daraus folgt nicht, dass im performativen Theater nie etwas dargestellt wird.
Verbindungen
- Performance – Bei performativen Vorgängen kann die tatsächlich vollzogene Handlung selbst im Mittelpunkt stehen.
Peripetie
Umschlag des Handlungsverlaufs in sein Gegenteil, bei Aristoteles nach Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit aus dem Geschehen hervorgehend. Sie kann mit einer Anagnorisis zusammentreffen, muss es aber nicht. Nicht mit jedem beliebigen Wendepunkt oder Höhepunkt gleichsetzen. [F2]
Verbindungen
- Anagnorisis / Wiedererkennung – Ein Umschlag der Handlung und ein Erkenntnismoment können zusammen auftreten, bezeichnen aber verschiedene Vorgänge.
Peripherer Blick
Wahrnehmen des weiteren Gesichtsfelds, während der Blick nicht auf jedes einzelne Ereignis gerichtet wird. Kann Orientierung und gemeinsames Spiel unterstützen.
Verbindungen
- Wahrnehmung – Der periphere Blick unterstützt das Wahrnehmen von Vorgängen außerhalb des unmittelbar fokussierten Motivs.
Perspektive und Kamerahöhe
Die räumliche Beziehung der Kamera zum Motiv. Augenhöhe, Aufsicht und Untersicht können unterschiedliche Eindrücke erzeugen, haben aber keine automatisch festgelegte psychologische Wirkung.
Pfeifverbot als Theaterbrauch
In manchen Theatertraditionen soll hinter der Bühne nicht gepfiffen werden. Eine verbreitete Erklärung verweist auf frühere Pfeifsignale bei der Bühnenarbeit. Ursprungserzählungen nicht mit heutigen Sicherheitsregeln vermischen; die Behauptung eines verlässlichen Sauerstoff-Warnsignals bei Gasleuchten wird hier nicht übernommen. [F3]
Postdramatisches Theater
Von Hans-Thies Lehmann beschriebene Theaterformen, in denen der dramatische Text und eine geschlossene Figurenhandlung ihre übergeordnete Stellung verlieren können. Körper, Raum, Klang, Bilder und andere Elemente können eigenständig organisiert werden. Text, Figuren und Erzählungen sind damit nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Verbindungen
- Drama – Postdramatisches Theater beschreibt Formen, in denen der dramatische Text nicht zwingend das ordnende Zentrum bildet.
Practical / sichtbare Leuchte
Lampe, Kerze oder andere Lichtquelle, die im Bild als Teil der Ausstattung sichtbar ist. Eine sichtbare Lampe muss nicht allein die tatsächliche Ausleuchtung liefern.
Verbindungen
- Motiviertes Licht – Eine sichtbare Leuchte kann eine Beleuchtung motivieren; die tatsächliche Ausleuchtung kann von weiteren Quellen stammen.
Präsentation und Werkstattaufführung
Zeigen eines Arbeitsstands vor anderen. Eine Werkstattaufführung macht einen Zwischenstand sichtbar und kann gezielte Rückmeldungen für die Weiterarbeit eröffnen.
Verbindungen
- Feedback – Eine Werkstattaufführung macht einen Zwischenstand sichtbar, zu dem Rückmeldungen eingeholt werden können.
Präsenz
Wahrnehmbare Aufmerksamkeit und körperlich-stimmliche Beteiligung am Spiel. Präsenz kann auch in Stille entstehen und ist nicht mit Lautstärke oder Dominanz gleichzusetzen.
Verbindungen
- Wahrnehmung – Aufmerksame Wahrnehmung von Mitspielenden und Raum kann die Präsenz im gemeinsamen Spiel unterstützen.
- Körperliche Spannung – Differenziert gestaltete Spannung kann Präsenz unterstützen; möglichst viel Muskelspannung ist kein allgemeines Ziel.
Premiere
Erste öffentliche Vorstellung einer bestimmten Inszenierung. Eine Uraufführung ist die erste Aufführung eines Werkes überhaupt.
Verbindungen
- Generalprobe – Die Generalprobe erprobt die Aufführung vor der Premiere unter möglichst vollständigen Bedingungen.
Proben und Vorstellungen
Bezeichnungen und Abläufe unterscheiden sich je nach Haus, Sparte und Projekt. Die folgende Folge ist ein mögliches Beispiel, kein für alle Produktionen verbindlicher Weg.
Verbindungen
- Probenplan – Ein Probenplan organisiert die Arbeitszeiten und Beteiligten auf dem Weg zur Aufführung.
Probenplan
Ein detaillierter Zeitplan für alle Proben einer Produktion.
Prosceniumsbühne
Eine Guckkastenbühne, bei der das Publikum durch einen architektonischen Rahmen (Prosceniumsbogen) auf die Bühne blickt.
Verbindungen
- Vierte Wand – Ein Bühnenrahmen und die Spielvereinbarung der vierten Wand sind unterschiedliche Dinge; eine Rahmenbühne schreibt keine bestimmte Publikumsbeziehung vor.
Protagonist / Protagonistin
Zentrale Figur einer Handlung. Nicht mit dem Darsteller oder einer moralisch vorbildlichen Heldenfigur gleichsetzen. Nicht jede Aufführung hat eine einzelne Hauptfigur.
Verbindungen
- Antagonist – Protagonistische und antagonistische Kräfte werden durch ihre Beziehung innerhalb der Handlung verständlich.
Proxemik
Beschäftigung mit räumlichen Abständen und Beziehungen zwischen Menschen. Im Theater werden Nähe, Distanz und Anordnung als Gestaltungsmöglichkeiten untersucht. Ihre Bedeutung hängt unter anderem von Situation, Kultur, Körperausrichtung und Spielweise ab. Distanz bezeichnet dabei den räumlichen Abstand. Nähe ist nicht automatisch Vertrautheit: Dieselbe Annäherung kann je nach Situation willkommen oder bedrängend wirken.
Verbindungen
- Status sowie Hochstatus und Tiefstatus – Abstand, Annäherung und Ausweichen können Statusbeziehungen zeigen oder verändern; ihre Bedeutung entsteht in der Situation.
- Beziehung – Annäherung, Abstand und Ausweichen können eine Beziehung zeigen oder verändern.
R
Rampensau
Eine scherzhafte Bezeichnung für eine Person, die sehr gerne auf der Bühne steht, Aufmerksamkeit genießt und sich im Rampenlicht wohlfühlt.
Raumbühne
Bühnenkonzept, bei dem Spiel und Publikum räumlich anders als bei einer frontalen Guckkastenanordnung organisiert werden. Die konkrete Anordnung muss beschrieben werden.
Raumweg
Verlauf einer Bewegung durch den Spielraum, etwa gerade, diagonal, kreisend oder im Zickzack. Anfang, Ziel und Begegnungen mit anderen Wegen können gestaltet werden. Beispiel: Zwei Figuren erreichen denselben Stuhl auf unterschiedlich langen Wegen.
Verbindungen
- Blocking – Blocking organisiert unter anderem die Positionen und Raumwege der Spielenden.
Reflexion
Nachdenken und Austausch über Arbeitsprozess, Entscheidungen und Wahrnehmungen. Eine intuitive Entstehung darf benannt werden, ohne nachträglich eine Absicht zu erfinden.
Verbindungen
- Intention und Wirkung – In der Reflexion werden beabsichtigte und tatsächlich wahrgenommene Wirkungen verglichen; auch unbeabsichtigte Ergebnisse sind aufschlussreich.
- Rezeption – Reflexion macht Wahrnehmungen und Deutungen aus der Rezeption beschreibbar und diskutierbar.
Regieanweisung
Hinweis in einem Text oder Probenprozess zur szenischen Gestaltung, etwa zu Handlung, Raum oder Sprechweise. Wie verbindlich ein schriftlicher Hinweis behandelt wird, ist eine künstlerische und gegebenenfalls vertragliche Frage.
Verbindungen
- Regie/Regisseur/Regisseurin – Schriftliche Regieanweisungen und konkrete Regieentscheidungen sind aufeinander bezogen, aber nicht identisch.
Regie/Regisseur/Regisseurin
Die Person, die die künstlerische Gesamtleitung einer Theaterproduktion hat und für die Inszenierung, Interpretation und Umsetzung des Stücks verantwortlich ist.
Verbindungen
- Regieanweisung – Schriftliche Regieanweisungen und konkrete Regieentscheidungen sind aufeinander bezogen, aber nicht identisch.
- Dramaturg/Dramaturgin – Dramaturgie und Regie können bei Textauswahl, Konzept und Reflexion der Inszenierung zusammenarbeiten.
Requisit / Requisiten
Gegenstände mit einer Funktion im szenischen Spiel. Die organisatorische Abgrenzung zu Möbeln, Ausstattung oder Bühnenbild ist hausabhängig. Gegenstände können realistisch benutzt oder umgedeutet werden; nicht jeder bewegliche Gegenstand ist automatisch ein Spielrequisit.
Verbindungen
- Objekt – Ein Objekt kann als Requisit benutzt werden, aber auch als eigenständiger Spielpartner oder Bedeutungsträger auftreten.
Retardierendes Moment
Verzögerung der erwarteten Entscheidung. In der schulischen Darstellung von Freytags Modell häufig im vierten Akt: Neue Hoffnung oder eine scheinbare Rettungsmöglichkeit hält den Ausgang nochmals offen. Nicht jede längere Szene ist ein retardierendes Moment. [F1]
Verbindungen
- Spannungsbogen – Eine Verzögerung oder vorübergehende Gegenbewegung kann die Erwartung an den weiteren Verlauf beeinflussen.
Reverse
Rückwärtsausführung einer erarbeiteten Bewegungsfolge oder rückwärts abgespieltes Material. Nicht dasselbe wie Zeitlupe. Ein ergänzender Praxisbegriff, hier nicht als wörtlicher Pflichtbegriff des Hamburger Plans gekennzeichnet.
Verbindungen
- Wiederholung – Ein rückwärts ausgeführter Ablauf kann bekanntes Material wiederaufnehmen und durch seine Umkehr verändern.
Rezension
Veröffentlichte, begründete kritische Besprechung, etwa einer Aufführung. Beschreibung, Analyse und Wertung werden miteinander verbunden. Rezensionen erscheinen beispielsweise in Zeitungen, Kulturportalen oder Blogs; nicht jeder Social-Media-Beitrag ist bereits eine Rezension.
Verbindungen
- Feedback – Feedback dient häufig der Weiterarbeit; eine Rezension ordnet eine Aufführung für ihre Lesenden ein und bewertet sie.
Rezeption
Wahrnehmen, Deuten und Verarbeiten einer Aufführung. Zuschauende bringen eigene Erfahrungen und Erwartungen mit.
Verbindungen
- Theatrales Zeichen – Theatrale Zeichen werden vom Publikum im Zusammenhang wahrgenommen und gedeutet.
- Reflexion – Reflexion macht Wahrnehmungen und Deutungen aus der Rezeption beschreibbar und diskutierbar.
Rhythmus
Zeitliches Verhältnis von Handlungen, Bewegungen, Sprache, Klängen und Stille. Dauer, Wiederkehr, Akzente, Unterbrechungen und Übergänge prägen ihn. Auch gleichförmige Abläufe haben einen Rhythmus. Im Film gehört dazu auch das Verhältnis von Bewegungen innerhalb einer Einstellung, Schnittfolge und Ton. Entscheidungen können aus dem Material, einem Konzept oder intuitiv entstehen und beim Erproben überprüft werden.
Verbindungen
- Tempo – Tempo bezeichnet die Geschwindigkeit; Rhythmus entsteht auch durch Dauer, Akzente und Unterbrechungen.
- Pause – Pausen gliedern einen Ablauf und sind selbst Teil seines Rhythmus.
- Wiederholung – Wiederholungen machen zeitliche Muster erkennbar; Veränderungen können Erwartungen verschieben.
- Kontrast – Wechsel zwischen unterschiedlichen Tempi, Dauern oder Bewegungsqualitäten können rhythmische Kontraste erzeugen.
- Schnitt / Montage – Die Anordnung und Dauer von Szenen, Einstellungen oder Klangabschnitten prägt den übergreifenden Rhythmus.
- Szenischer Rhythmus – Szenischer Rhythmus bezeichnet die zeitlichen Beziehungen innerhalb einer Szene.
- Dramaturgischer Rhythmus – Dramaturgischer Rhythmus bezeichnet die zeitlichen Beziehungen im gesamten Stück oder in der Performance.
- Kanon – Versetzte Einsätze derselben Folge erzeugen Überlagerungen und rhythmische Beziehungen.
Rolle
Je nach Kontext der zugeteilte Part, eine Figurenaufgabe oder eine soziale Position. Bei Übungen klären, welche Bedeutung gemeint ist.
Rollensplitting und Figurendopplung
Rollensplitting verteilt einen Rollenpart auf mehrere Spielende. Figurendopplung zeigt eine Figur mehrfach, etwa gleichzeitig mit unterschiedlichen Aspekten. Im jeweiligen Projekt die konkrete Verwendung vereinbaren.
Verbindungen
- Rolle – Eine Rolle oder Figur kann auf mehrere Spielende verteilt werden; dadurch lassen sich etwa unterschiedliche Seiten sichtbar machen.
S
Schärfe und Fokusverlagerung
Die gewählte Entfernung beziehungsweise Ebene erscheint scharf. Bei einer Fokusverlagerung wandert die Schärfe zwischen Motiven. Ein Fokus-Lock hält eine Einstellung fest, führt aber einer näherkommenden Person nicht automatisch nach.
Verbindungen
- AE/AF-Lock – Eine Fokussperre hält die gewählte Fokuseinstellung fest; eine Fokusverlagerung verändert sie gezielt.
Schnitt / Montage
Auswahl, Anordnung und Verbindung von Material. Im Theater können etwa Szenen, Texte, Bewegungen, Bilder und Klänge montiert werden. Im Film bezeichnet Schnitt die Bearbeitung und Verbindung von Bild- und Tonabschnitten; Montage betont auch deren kompositorischen Zusammenhang. Reihenfolge, Dauer und Übergänge können Bedeutung und Wirkung verändern.
Verbindungen
- Rhythmus – Die Anordnung und Dauer von Szenen, Einstellungen oder Klangabschnitten prägt den übergreifenden Rhythmus.
- Übergang – Die Verbindung zweier Abschnitte kann fließend oder abrupt sein und ihre Beziehung für das Publikum verändern.
- Coverage – Zusätzliche Ansichten liefern Auswahlmöglichkeiten für die spätere Montage einer Szene.
- J-Cut und L-Cut – Bei J- und L-Cuts liegen Bildwechsel und Tonwechsel zeitlich auseinander.
- Collage – Beide Begriffe betreffen das Zusammenstellen von Material; bei einer Collage kann dessen unterschiedliche Herkunft besonders hervortreten.
Schnitt in der Bewegung / Match on Action
Ein Schnitt verbindet zwei Ansichten einer zusammenhängenden Handlung. Bewegungsphase und Richtung werden so gewählt, dass der Übergang nachvollziehbar bleibt.
Verbindungen
- Anschluss / Continuity – Ein Schnitt innerhalb einer fortgesetzten Bewegung kann einen Anschluss zwischen Einstellungen herstellen.
Schwenk / Pan und Neigen / Tilt
Drehen der Kamera horizontal beziehungsweise vertikal von weitgehend demselben Standort. Die Kamera wandert dabei nicht wie bei einer Fahrt durch den Raum.
Verbindungen
- Kamerafahrt / Dolly – Beim Schwenken oder Neigen dreht sich die Kamera; bei einer Fahrt verändert sie ihren Standort.
Shotlist und Storyboard
Shotlist: geplante Aufnahmen mit Angaben zu Motiv, Ausschnitt und Ablauf. Storyboard: zeichnerische Folge zur Vorbereitung. Beide können sich durch Erkenntnisse bei Probe und Dreh verändern.
Verbindungen
- Einstellung / Shot – Shotlist und Storyboard halten geplante Einstellungen schriftlich beziehungsweise zeichnerisch fest.
Situation
Umstände, unter denen ein szenischer Vorgang stattfindet: etwa Ort, Zeit, Beteiligte und das unmittelbar zuvor Geschehene. Beispiel: Zwei Menschen warten nachts vor einer verschlossenen Tür; nur einer weiß, warum sie verschlossen ist.
Verbindungen
- Handlung – Die Umstände einer Situation eröffnen und begrenzen Handlungsmöglichkeiten; Handlungen können diese Umstände verändern.
- Subtext – Gemeinsame Vorgeschichte und aktuelle Umstände können erklären, was unter dem gesprochenen Text mitverhandelt wird.
Slapstick
Eine Form der physischen Komödie, die auf übertriebenen Bewegungen, Stürzen und humorvollen Prügeleien basiert, oft mit überzogenen Geräuschen und Reaktionen.
Souffleur/Souffleuse
Eine Person, die den Schauspielern auf der Bühne unauffällig den Text vorsagt oder zuflüstert, falls diese ihren Text vergessen.
Verbindungen
- Textbuch / Skript – Das Textbuch kann als Grundlage dienen, um Spielende während Proben oder Aufführungen bei Texthängern zu unterstützen.
Sounddesign
Gestaltung von Klängen, Geräuschen, Musik und Stille. Es kann Atmosphäre, Raum und Rhythmus erzeugen, Kontraste setzen oder selbst einen Ablauf strukturieren. Es dient nicht ausschließlich der Unterstützung einer Handlung.
Verbindungen
- On und Off – Stimmen und Geräusche können auf Vorgänge außerhalb des sichtbaren Spiel- oder Bildraums verweisen.
- Diegetischer und nichtdiegetischer Ton – Tongestaltung kann mit Klängen innerhalb und außerhalb der dargestellten Welt arbeiten.
Spannungsbogen
Verlauf von Spannung beziehungsweise Erwartung über einen Abschnitt oder eine gesamte Aufführung. Unterschiedliche Zuschauende können ihn verschieden wahrnehmen; er muss keine einzelne Pyramide bilden.
Verbindungen
- Retardierendes Moment – Eine Verzögerung oder vorübergehende Gegenbewegung kann die Erwartung an den weiteren Verlauf beeinflussen.
- Cliffhanger – Ein offener Ausgang am Ende eines Abschnitts kann die Erwartung auf die Fortsetzung lenken.
Spielabsicht
Arbeitsbegriff für das, was eine Figur in einer konkreten Situation erreichen möchte. Spielbare Verben wie beruhigen, überzeugen oder ablenken können bei der Gestaltung helfen. Beispiel: „Ich will sie zum Bleiben bewegen“ gibt einen anderen Ansatz als „Ich bin traurig“. Nicht jede Theaterform arbeitet mit Figurenabsichten.
Verbindungen
- Handlung – Eine Spielabsicht kann durch unterschiedliche konkrete Handlungen verfolgt werden, etwa durch Bitten, Verhandeln oder Blockieren.
- Intention und Wirkung – Die Absicht einer Figur ist von der gestalterischen Absicht der Spielenden und der Wirkung auf das Publikum zu unterscheiden.
Spielende Person und Figur
Die spielende Person ist der wirkliche Mensch; die Figur ist eine im Spiel gestaltete Person oder Gestalt. Im performativen Arbeiten kann die spielende Person auch ohne durchgehende Figur auftreten.
Verbindungen
- Rolle – Die spielende Person gestaltet eine Rolle oder Figur, ist aber nicht mit ihr gleichzusetzen.
- Biografisches Theater – Eine eigene Erfahrung als Material zu verwenden bedeutet nicht, auf der Bühne die eigene Person unverändert abzubilden.
Spielfläche und Zuschauerraum
Für eine Aufführung gewählte Bereiche des Spielens und Zuschauens. Sie können getrennt sein, sich überschneiden oder im Verlauf verändern. Raumaufteilung bezeichnet die Anordnung und Nutzung von Bereichen, etwa eine dichte Gruppe an einer Seite und eine freie Fläche daneben. Sie kann sich im Verlauf verändern.
Verbindungen
- Arenabühne/Rundbühne – Bei einer Arenaanordnung umgibt das Publikum die Spielfläche; Sichtbarkeit muss aus mehreren Richtungen bedacht werden.
- Raumbühne – Das Verhältnis von Spielenden und Publikum kann durch die konkrete räumliche Anordnung gestaltet werden.
Standbild
Gestaltete unbewegte Anordnung eines oder mehrerer Körper, gegebenenfalls mit Gegenständen. Ein Freeze bezeichnet stärker den Vorgang des Anhaltens; ein Standbild die betrachtbare Komposition. Die Anwendungen können sich überschneiden.
Verbindungen
- Freeze – Ein Freeze entsteht durch das Anhalten eines Ablaufs; ein Standbild kann auch von Anfang an als unbewegte Anordnung gestaltet werden.
Status sowie Hochstatus und Tiefstatus
Im Spiel gestaltetes Verhältnis von Über- und Unterordnung, Einfluss oder Handlungsspielraum. Status zeigt sich im Zusammenspiel und ist weder eine feste Eigenschaft des Menschen noch mit seinem Wert gleichzusetzen.
Verbindungen
- Proxemik – Abstand, Annäherung und Ausweichen können Statusbeziehungen zeigen oder verändern; ihre Bedeutung entsteht in der Situation.
- Beziehung – Status beschreibt einen Aspekt von Beziehungen, etwa wer sich durchsetzt; eine Beziehung umfasst auch andere Aspekte wie Vertrauen oder Abhängigkeit.
Steigende Handlung
Im Freytag-Modell Zuspitzung der Handlung zum Höhepunkt. Die verbreitete schulische Darstellung verortet sie vor allem im zweiten Akt. [F1]
Verbindungen
- Fallende Handlung – Im Freytag-Modell bezeichnen Steigerung und Fall unterschiedliche Abschnitte um den Höhepunkt.
Stilisierung
Gestaltung nach einer erkennbaren Form oder Regel, die vom alltäglichen Verhalten abweichen kann. Beispiel: Alle Begrüßungen bestehen aus derselben kantigen Bewegungsfolge. Stilisierung muss weder vereinfachen noch übertreiben.
Verbindungen
- Abstraktion – Abstraktion reduziert konkrete Einzelheiten; Stilisierung gestaltet nach einer erkennbaren Form. Beide Verfahren können zusammenwirken.
- Bewegungsqualität – Eine durchgehend gewählte Bewegungsqualität kann zur formalen Regel einer stilisierten Darstellung werden.
Subtext
Das unter oder neben dem Gesagten Gemeinte beziehungsweise Mitwirkende, etwa eine Absicht, Beziehung oder Spannung. Es kann durch Betonung, Pausen, Körper und Situation wahrnehmbar werden. Eine Deutung sollte sich auf konkrete Beobachtungen stützen.
Verbindungen
- Dialog – Was Figuren sagen, kann von dem abweichen, was sie beabsichtigen oder in ihrer Beziehung aushandeln.
- Situation – Gemeinsame Vorgeschichte und aktuelle Umstände können erklären, was unter dem gesprochenen Text mitverhandelt wird.
Synchronisation und Drift
Zeitliche Ausrichtung von Bild und getrennt aufgenommenem Ton. Unabhängige Geräte können über längere Takes auseinanderlaufen. Eine Klappe setzt einen Bezugspunkt, verhindert aber keine Drift.
Verbindungen
- Foley – Nachträglich erzeugte Geräusche werden zeitlich zur Bildhandlung angeordnet; dabei ist ein passender zeitlicher Bezug wichtig.
- Klappe / Slate – Ein gemeinsames Bild- und Tonsignal hilft beim anfänglichen Synchronisieren, verhindert aber keine spätere zeitliche Drift.
Synchronität und Unisono
Synchronität bezeichnet die zeitliche Abstimmung von Vorgängen. Unterschiedliche Aktionen können synchron stattfinden. Unisono meint im chorischen Spiel häufig die gemeinsame Ausführung derselben Bewegungs- oder Sprechfolge; die genaue Vereinbarung wird benannt. Beispiel: Alle wenden sich gleichzeitig um; bei einer anderen synchronen Aktion hebt eine Hälfte die Arme, während die andere sich setzt.
Verbindungen
- Chorisches Sprechen – Chorisches Sprechen kann unisono organisiert sein oder zeitlich abgestimmte unterschiedliche Stimmen enthalten.
- Kanon – Ein Kanon ordnet Einsätze zeitlich aufeinander ab, lässt dieselbe Folge aber versetzt statt gleichzeitig beginnen.
Synopsis
Eine sehr kurze, prägnante Zusammenfassung der gesamten Handlung einer Geschichte (Buch, Film, Theaterstück) von Anfang bis Ende. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse, Figuren und den Ausgang der Geschichte.
Verbindungen
- Textbuch / Skript – Eine Synopsis fasst den Verlauf zusammen, während ein Skript ihn ausführlicher ausarbeiten kann.
Szene
Ein zusammenhängender Abschnitt einer Aufführung oder eines dramatischen Textes. Er kann durch Situation, Handlung, Material, Beteiligte oder eine kompositorische Entscheidung begrenzt sein. Nicht jede Szene braucht Dialog oder einen Konflikt.
Verbindungen
- Akt – Ein Akt ist ein größerer Gliederungsabschnitt, der mehrere Szenen enthalten kann; nicht jede Aufführung nutzt diese Einteilung.
Szenenentwicklung
Finden, Erproben, Auswählen, Verbinden und Überarbeiten von szenischem Material. Der Prozess kann Umwege und Rücksprünge enthalten.
Verbindungen
- Material – Texte, Bewegungen, Gegenstände oder Beobachtungen können Ausgangsmaterial für die Entwicklung einer Szene sein.
- Improvisation – Improvisation kann Material hervorbringen, das anschließend ausgewählt, verändert und festgelegt wird.
Szenischer Rhythmus
Zeitliche Gestaltung innerhalb einer Szene, etwa durch Einsätze, Pausen, Wiederholungen und das Zusammenspiel verschiedener Abläufe.
Verbindungen
- Rhythmus – Szenischer Rhythmus bezeichnet die zeitlichen Beziehungen innerhalb einer Szene.
- Dramaturgischer Rhythmus – Eine Szene hat einen eigenen Rhythmus und ist zugleich ein zeitliches Element des gesamten Stücks.
T
Take
Ein Aufnahmeversuch einer geplanten Einstellung. Mehrere Takes sind Varianten desselben Vorhabens; ausgewählte Ausschnitte können später im Film verwendet werden.
Verbindungen
- Einstellung / Shot – Eine geplante Einstellung kann in mehreren Aufnahmeversuchen, den Takes, gedreht werden.
- Ingest und Dateibenennung – Eindeutige Bezeichnungen helfen, die verschiedenen Aufnahmeversuche beim Sichten und Schneiden wiederzufinden.
Tempo
Geschwindigkeit eines Ablaufs, einer Bewegung oder des Sprechens. Tempo ist ein Bestandteil zeitlicher Gestaltung, nicht gleichbedeutend mit Rhythmus.
Verbindungen
- Rhythmus – Tempo bezeichnet die Geschwindigkeit; Rhythmus entsteht auch durch Dauer, Akzente und Unterbrechungen.
- Zeitlupe / Slow Motion – Zeitlupe verlangsamt einen Ablauf; ihre Wirkung hängt auch vom Tempo davor und danach ab.
- Bewegungsqualität – Eine langsame Bewegung kann fließend oder stockend sein; Bewegungsqualität ist mehr als Geschwindigkeit.
Textbuch / Skript
Schriftliche Grundlage oder Dokumentation einer Aufführung. Sie kann Figurenrede, Regieanweisungen, Abläufe und technische Hinweise enthalten. In einer Eigenproduktion kann sie erst während der Proben entstehen; nicht jede Aufführung benötigt ein vollständiges Skript.
Verbindungen
- Adaption und Eigenproduktion – Ein Skript kann Vorlage einer Adaption sein oder während der Entwicklung einer Eigenproduktion entstehen.
- Synopsis – Eine Synopsis fasst den Verlauf zusammen, während ein Skript ihn ausführlicher ausarbeiten kann.
- Souffleur/Souffleuse – Das Textbuch kann als Grundlage dienen, um Spielende während Proben oder Aufführungen bei Texthängern zu unterstützen.
Theater
Künstlerische Gestaltung von Handlungen, Situationen und Wahrnehmungen für oder mit Zuschauenden. Körper, Stimme, Raum, Zeit, Material und Medien können daran beteiligt sein. Ein Theatergebäude, gesprochener Text oder eine abgeschlossene Geschichte sind keine notwendigen Voraussetzungen. Das Wort bezeichnet auch eine Institution oder ein Gebäude.
Theatrales Zeichen
Wahrnehmbares Element, das im Aufführungszusammenhang Bedeutung erhalten kann, etwa eine Geste, ein Gegenstand oder ein Klang. Bedeutungen sind kontextabhängig und können mehrdeutig sein.
Verbindungen
- Rezeption – Theatrale Zeichen werden vom Publikum im Zusammenhang wahrgenommen und gedeutet.
Thespiskarren
Bild für fahrendes Theater, benannt nach dem antiken Thespis. Ihm wird in der Überlieferung eine wichtige Rolle bei der Entstehung des griechischen Schauspiels zugeschrieben. Die Erzählung vom ersten Schauspieler auf einem Wagen ist als Überlieferung zu kennzeichnen, nicht als lückenlos belegter Gründungsbericht. [F5]
Verbindungen
- Griechisches Theater der Antike – Die Thespis-Erzählungen gehören zur Überlieferung über die Anfänge des griechischen Theaters und sind nicht mit gesicherten Einzelereignissen gleichzusetzen.
Timing
Abstimmung eines Einsatzes, einer Reaktion, Pause oder Bewegung auf den jeweiligen Ablauf und das Zusammenspiel. Was passend wirkt, hängt vom künstlerischen Zusammenhang ab; es gibt keinen für alle Szenen richtigen Zeitpunkt.
Verbindungen
- Impuls – Wann ein Impuls aufgenommen oder beantwortet wird, prägt das Zusammenspiel und seine Wirkung.
- Double Take – Beim Double Take prägt die zeitliche Verzögerung zwischen Wahrnehmen und erneuter Reaktion die Wirkung.
Toi toi toi
Traditioneller Wunsch für eine gelingende Vorstellung, teils mit symbolischem Spucken verbunden. Die Universität Graz beschreibt eine dreimalige Variante. Eine allgemeine Pflicht zum zweimaligen Spucken oder zum Tragen eines Kostüms lässt sich daraus nicht ableiten. Bräuche variieren. [F4]
Verbindungen
- Dankverbot als Brauch – Das vermeintliche Dankverbot gehört zu den Bräuchen rund um den Glückwunsch und ist keine sachliche Theaterregel.
Tragödie
Dramatische Form, in der schwerwiegende Handlungen und Konflikte häufig zu Verlust, Scheitern oder Untergang führen. Antike und spätere Tragödien folgen unterschiedlichen Konventionen; ein Todesfall allein macht eine Handlung nicht zur Tragödie.
Verbindungen
- Katharsis – Aristoteles verwendet Katharsis in seiner Tragödiendefinition; die genaue Bedeutung und Wirkungsweise bleiben umstritten.
W
Wahrnehmung
Aufmerksames Erfassen dessen, was im eigenen Körper, im Zusammenspiel und im Raum geschieht. Wahrnehmung und Deutung lassen sich zur Reflexion unterscheiden, sind im Erleben aber eng verbunden.
Verbindungen
- Präsenz – Aufmerksame Wahrnehmung von Mitspielenden und Raum kann die Präsenz im gemeinsamen Spiel unterstützen.
- Peripherer Blick – Der periphere Blick unterstützt das Wahrnehmen von Vorgängen außerhalb des unmittelbar fokussierten Motivs.
Warm-up
Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit, beispielsweise mit Übungen zu Körper, Stimme, Aufmerksamkeit und Zusammenspiel. Auswahl und Intensität sollen zur Gruppe und zur Aufgabe passen.
Weißabgleich / WB
Abstimmung der Farbwiedergabe auf die Beleuchtung beziehungsweise einen gestalterischen Referenzpunkt. Ein fester Wert kann Farbwechsel durch Automatik vermeiden, gleicht aber keine wechselnden oder gemischten Lichtquellen automatisch aus.
Verbindungen
- Golden Hour – Warm wirkendes Licht bei tief stehender Sonne und der eingestellte Weißabgleich beeinflussen gemeinsam die Farbwiedergabe.
Wiederholung
Erneutes Auftreten von Bewegung, Sprache, Klang, Bild oder einer ganzen Szene. Wiederholungen können gleich bleiben oder variiert werden; auch unveränderte Wiederholung kann im veränderten Kontext anders wirken.
Verbindungen
- Rhythmus – Wiederholungen machen zeitliche Muster erkennbar; Veränderungen können Erwartungen verschieben.
- Reverse – Ein rückwärts ausgeführter Ablauf kann bekanntes Material wiederaufnehmen und durch seine Umkehr verändern.
Windschutz
Passendes Material beziehungsweise Zubehör, das Luftbewegungen am Mikrofon reduziert. Ein Ärmel kann reiben oder den Klang dämpfen; ein ruhigerer Standort und geeigneter Windschutz sind verlässlichere Ausgangspunkte. [K4]
Verbindungen
- Lavalier / Ansteckmikrofon – Ein körpernah befestigtes Mikrofon benötigt je nach Situation Schutz vor Luftbewegungen und Reibegeräuschen.
Worldbuilding
Der Aufbau einer eigenen, detaillierten erzählerischen Welt mit ihren Regeln, Geschichte, Geografie und Gesellschaft (z. B. Mittelerde, Hogwarts, Marvel Cinematic Universe). Geschichten spielen in diesem Universum und bauen darauf auf.
WS / Wide Shot
Weite Einstellung, in der eine Person häufig ganz und mit Umgebung sichtbar ist. Der Bildinhalt entscheidet, ob Raum, Gruppe oder einzelne Handlung hervortreten.
Verbindungen
- Einstellungsgröße – Der Wide Shot ist eine weite Einstellung, die häufig eine Person mit ihrer Umgebung zeigt.
Quellen
[K1] Adobe: Master Shot und Establishing Shot: https://www.adobe.com/ie/creativecloud/video/production/cinematography/camera-shots-and-angles/master-shot.html
[K2] ARRI Lighting Handbook: Lichtgröße, Richtung und Funktionen: https://www.arri.com/resource/blob/83996/409091c612f371b0c68b41d9dcb636db/arri-lighting-handbook-english-data.pdf
[K3] Adobe Audition: Pegelanzeige und digitale Vollaussteuerung: https://helpx.adobe.com/dk/audition/using/monitoring-recording-playback-levels.html
[K4] Shure: Mikrofonabstand sowie MVL-Anleitung: https://service.shure.com/articles/en_US/Knowledge/how-far-away-will-my-microphone-pick-up
[K4a] Shure MVL: Anbringung und Windschutz: https://pubs.shure.com/view/guide/MVL/en-US.pdf
[K5] Apple: Camera Control und Fokus-/Belichtungssperre; gerätespezifisches Beispiel: https://support.apple.com/en-gb/guide/iphone/iph0c397b154/ios
[K6] Routledge: Multimedia Foundations, 180-Degree Rule: https://routledgetextbooks.com/textbooks/9781138391550/glossary.php
[K7] Sony: Belichtungszeit, Blende und ISO bei Video: https://www.sony.com/electronics/support/articles/00257984
Theater und Bildungspläne
Quellenstand 6. September 2026. Die folgenden Fachquellen sichern besonders strittige Korrekturen ab. Die übrigen Definitionen sind didaktische Arbeitsdefinitionen, keine wörtlichen Übernahmen. Die Hamburger Bildungspläne sind als Bezugsquellen aufgeführt; die Aufnahme eines Begriffs allein weist noch keine Kompetenzentwicklung nach.
[F1] Gustav Freytag, Die Technik des Dramas, Kapitel über den Bau des Dramas. Historisches Originalmodell; keine allgemeine Norm. https://www.gutenberg.org/cache/epub/50616/pg50616-images.html
[F2] Aristoteles, Poetik, insbesondere Kapitel 1, 5–6 und 10–11. Übersetzung und Begriffsdeutung sind zu unterscheiden. https://atlas.perseus.tufts.edu/library/urn%3Acts%3AgreekLit%3Atlg0086.tlg034.perseus-eng2/
[F3] Royal Shakespeare Company, Theatrical superstitions. Darstellung von Bräuchen und ihren Herkunftserzählungen. https://www.rsc.org.uk/shakespeares-life-and-times/performing-shakespeare-in-the-17th-century/theatrical-superstitions
[F4] Universität Graz, Deutsche WortSchätze, Toi toi toi. https://wortschaetze.uni-graz.at/de/wortschaetze/wortschaetze-nach-themen/belegdatenbank-theater/t/toi-toi-toi/
[F5] PBS, The Greeks, Thespis. Kennzeichnet die Gründungserzählung ausdrücklich als Überlieferung. https://www.pbs.org/empires/thegreeks/keyevents/534_c.html
[G] Hamburg 2024, Bildungsplan Gymnasium Sekundarstufe I Theater. https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/798560/4c15118a7875773ab5310f7d57706b76/theater-data.pdf
[S] Hamburg 2024, Bildungsplan Stadtteilschule Jahrgangsstufen 5–11 Theater. https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/798410/3be61f053ff38aceff202a2ed10f8873/theater-data.pdf
[E1] bpb: Brecht im 21. Jahrhundert; zur Veränderbarkeit gesellschaftlicher Wirklichkeit: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/29714/brecht-im-21-jahrhundert/
[E2] bpb: Biografisches Theater und Holocaust; Praxisbericht zur Arbeit mit Lebensgeschichten und Dokumenten: https://www.bpb.de/lernen/kulturelle-bildung/147696/biografisches-theater-und-holocaust/